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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die S-Boot-Bunker

 

Bereits 1940 war abzusehen, dass die S-Boote in den Kanalhäfen in Frankreich und Belgien sowie in den Häfen in den Niederlanden durch Angriffe der Royal Air Force stark gefährdet sein würden. Daher wurden 1940 die Planungen für die Schnellboot-Bunker (SBB) angeschoben. Der Bau der Bunker wurde durch die Organisation Todt und zivile Firmen durchgeführt. Die ersten Planungen umfassten SBBs in den Häfen von Cherbourg, Boulogne, Ostende, Ijmuiden und Rotterdam. 

Für die Bunker wurden Liegeplätze wie folgt geplant:

Stützpunkt Liegeplätze
Ijmuiden 10
Rotterdam 16
Ostende 8
Boulogne sur Mer 12
Cherbourg Gewölbe

 In Cherbourg, welches vom F.d.T. am 23.06.1940 als Schnellboots-Stützpunkt gemeldet wurde, überbaute man die teilweise zerstörten Arsenalanlagen mit einem Tonnengewölbe. Im Verlaufe des Krieges entstand ein zweiter SBB mit Tonnengewölbe, welcher vorhanden Dockanlagen einschloss. Der SBB I wurde ab August 1940 über dem Trockendock für U-Boote gebaut. Das Gewölbe war 3,5 m dick bei einer Länge von 106 m und einer Breite von 28 m. Dieser Bunker existiert noch heute und wird für kleine Boote des Hafenbetriebs genutzt. Der SBB II wurde ab September 1943 gebaut, er überspannte die Docks an der Südseite des Vorhafens. Er war ca. 28 m breit und über 90 m lang. Der Bau wurde bis zum Einmarsch der Amerikaner Ende Juni 1944 nicht fertig.

 

SBB Cherbourg - Foto: M. Foedrowitz

SBB Cherbourg mit Kleinfahrzeugen der Hafenbehörde - Foto: M. Foedrowitz

In Boulogne sur Mer, das als Stützpunkt für S-Boote und R-Boote vorgesehen war, wurde ab 1940 ein SBB gebaut, bei dessen Errichtung der junge Bauingenieur Fähnr. z.S. Eugen Stroh als Bauleiter fungierte. Aus seinem Archiv stammen die Fotos des SBB Boulogne. Ein Bombenangriff im Frühjahr 1941 zerstörte zwar die Umgebung, konnte aber den Bunkerbau nicht gefährden.  Am 21.06.1941 waren die ersten vier Liegeplätze fertig und wurden am 24.06.1940 durch Boote der 4. SFltl belegt.  Ein weiterer Ausbau von 116 m Länge und 50 m Breite für vier weitere Liegeplätze schloss sich an. Die Deckenstärke betrug 3,50, die Wandstärke 2 bis 3 m. Beide Bunker standen auf einer Pfahlgründung von 18 - 20 m langen Pfählen. Im Mai 1942 wurde die Bauleitung Boulogne auf die Insel Guernsey verlegt, um dort Bunker und Kanonentürme zu bauen.

Verschalungen für die Bunkerwände in Boulogne auf den Gründungspfählen - Foto: Archiv M. Lohr

Marine-Hafenbauasmt in einem Chalet am Kanal - Foto: Archiv M. Lohr

Ruinen in Boulogne-sur-Mer nach Bombardierung durch die Briten Frühjahr 1941 - Foto: Archiv M. Lohr

SBB Boulogne, links die Boxen des ersten Bauabschnitts - Foto: Archiv M. Lohr

SBB Boulogne der 2. Bauabschnitt fast fertig - Foto: Archiv M. Lohr

Hoher Besuch am Bunker Boulogne - Foto: Archiv M. Lohr

Der Baubeginn am SBB Ostende ist auch nicht protokolliert. Aber am 10.06.1941 meldete das Hafenbauamt Ostende, dass der erste Bauabschnitt fertiggestellt sei und vier Boote untergebracht werden könnten. Am 21.06.1941 folgte die Bereitschafts-Meldung von Boulogne.

SBB Ostende - Bild aus Feodrowitz Bunker an der Kanalküste

Auch für den SBB Rotterdam ist ein Datum für den Baubeginn nicht bekannt. Am 11.10.1941 waren die ersten Boxen fertig. Die Außenwände und die Decke wurden aus 3 m dickem Stahlbeton gefertigt, der Bunker enthielt nicht nur 16 Boxen für die Boote sondern auch Torpedo-, Motoren-, Akku-, Funk- und Funkmessgerätewerkstätten. Am 05.10.1941 liefen die ersten S-Boote in den SBB ein.

SBB Rotterdam Waalhaven - Foto: Unbekannt

Boot läuft in den SBB Rotterdam ein - Foto: PK-Aufnahme

Der SBB I in Ijmuiden wurde 1941 fertiggestellt. Er verfügte über 10 Boxen von 6 m Breite und 70 m Länge. Decke- und Wandstärke betrugen 2,5 m. Die Einfahrten in den Bunker waren mit zweiteiligen Panzerplatten von 60 cm Stärke geschützt. Anfang 1941 begann der Bau des SBB II mit seinen 14 Boxen und mehreren Reparaturdocks. Im doppelten Dach des Bunkers waren Unterkünfte für 1000 Mann vorhanden. Ende Februar 1942 konnten alle Einheiten der 2. SFltl den Schutz der Bunker in Ijmuiden aufsuchen.

SBB-Ijmuiden - Foto: Unbekannt

Auslaufen aus einem Bunker in einem Kanalhafen - Foto: PK-Aufnahme

Flottille läuft aus zum Nachtangriff - Foto: PK-Aufnahme

Anlegen im SBB nach einem Angriff - Foto: PK-Aufnahme

Torpedoübernahme im SBB - Foto: PK-Aufnahme

S-Boote im Bunker - Foto: PK-Aufnahme

Auslaufmusterung in einem SBB - Foto: PK-Aufnahme

Flottillenmusterung durch den F.d.S. - Foto: PK-Aufnahme

Besatzung "S 48" vor dem S-Boot-Bunker Rotterdam - Foto: Archiv Hullmann

Der F.d.S. forderte zunächst zwei weitere Bunker für Den Helder und Le Havre. Nach Abschluss der Planungen für einen Schnellboot-Bunker in Den Helder wurde zwar eine Baustelle eingerichtet, die aber aufgegeben wurde, u.a. um eine zu große Konzentration von S-Booten zu vermeiden und wegen des hier schwierigen Eisganges. Für Le Havre und Dünkirchen entstanden Räumbootbunker. 

1943 stellte der F.d.S. die Forderung nach neuen Bunkern und Forderungen für die Erweiterung der bestehenden Bunker:

Stützpunkt Liegeplätze
Den Helder 28 (ursprünglich 14)
Ijmuiden Erweiterung auf 28
Cherbourgh Erweiterung auf 28
L' Aber Wrach Neubau 14
Lézardrieux Neubau 14

Im Herbst 1943 wurde ein weiterer Bunker für Ijmuiden gefordert, so dass insgesamt 42 Liegeplätze zur Verfügung stehen würden. Wegen der Entwicklung an der Landfront wurden die Bunker Boulogne und Ostende nicht mehr für eine Erweiterung vorgesehen. Die übrigen Bauvorhaben wurden nicht mehr realisiert.

 

Zeichnung des geplanten SBB Den Helder

Die Bunker mit ihren zum Teil über 4 m dicken Stahlbeton-Decken schienen für lange Zeit den Schutz der Boote voll zu gewährleisten. Zur Unterstützung der alliierten Landung in der Normandie warf jedoch die Royal Air Force gezielt überschwere Bomben, so genannte "Tallboys", auf die Bunker, so dass selbst deren Decken durchschlagen wurden.

In der Nacht 13./14.06.1944 sollten die Boote wiederum die Landungsflotte angreifen, die 5. und 9. SFltl sollte wegen der Konzentration der Boote auf Le Havre anschließend nach Cherbourg laufen. Wind aus Nordwest mit sieben Windstärken zwang die Boote der 4., 5. und 9. SFltl zum Abbruch des Einsatzes und zur Rückkehr nach Le Havre. Der Funkverkehr wurde abgefangen und entschlüsselt und die Alliierten griffen mit 221 Lancaster-Bombern geleitet durch Jäger und durch Mosquito-Schnellbomber die Boote am Abend des 14.06.1944 an. 14 S-Boote (S 84, S 100, S 138, S 142, S 143, S 144, S 146, S 150, S 169, S 171, S 172, S 173, S 187, S 188, S 188)  und drei der vier im Hafen befindlichen Torpedoboote sanken, nur S 167 entkam durch Auslaufen. In dem Bombardement fielen 18 Soldaten, darunter der Chef 5. SFltl (KptLt Johannsen), ferner gab es 25 Verwundete zu beklagen, darunter der Chef 9. SFltl (KptLt v. Mirbach) und vier Kommandanten.   

In der folgenden Nacht erfolgte ein erneuter Luftangriff auf Boulogne. Während neun Minensuchboote, zwei Vorpostenboote und drei Minensuchbootstender sanken, konnte die 2. SFltl rechtzeitig auslaufen, ehe der S-Bootsbunker von Bomben durchschlagen wurde, und blieb ohne nennenswerte Schäden.  

Die Luftangriffe dieser beiden Nächte hatte die Marine im Kanal entscheidend geschwächt, von 31 S-Booten bei Invasionsbeginn waren in den vier Flottillen noch 13 einsatzbereit:  

Standort Flottille Anzahl Boote  Einheiten
Ostende 8. SFltl  3 Boote S 83, S127, S 133
Boulogne 2. SFltl      4 Boote S176, S 180, S 181, S 182   
Boulogne 4. SFltl  2 Boote  S174, S 175
Le Havre 9. SFltl  1 Boot S 167
Cherbourg 9. SFltl 3 Boote S 130, S 145, S 168

S-Boot-Bunker Rotterdam - Foto: Archiv Brandi

S-Boot-Bunker Rotterdam nach Bombeneinschlag - Foto: Archiv Brandi

 

Die Überreste der Schnellboot-Bunker haben den Krieg um viele Jahre überdauert. Zum Teil wurden sie als Liegeplätze für hafenbehördliche Boote, zum Teil für die Ansiedlung von Industrie genutzt.

SBB Ijmuiden als Industriestandort - Foto: M. Foedrowitz

Kalksandsteine werden hier hergestellt - Foto: M. Foedrowitz

Der Schnellboot-Bunker Ijmuiden wird derzeit abgerissen. Über den Abriss gibt es einen YouTube-Film.

Neben den Schnellbootsbunkern wurden in den Einsatzhäfen am Kanal und an der südlichen  Nordsee Torpedobunker, Munitionsbunker, Treibstoffbunker sowie Luftschutzbunker für das Personal gebaut.

 

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