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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Ostsee 1945

Die neu aufgestellte 1. SFltl (Korv.Kpt. Büchting) hatte zum Jahreswechsel 1944/1945 die Neubauten "S 225" (Oblt.z.S. Behrens), "S 707" (Oblt.z.S. Neumeier) und "S 216" (Kptlt. Seevers) zugeteilt bekommen. Im Januar 1945 folgten "S 708", "S 218" und "S 217" (Oblt.z.S. von Dülong), im März "S 226" (Lt.z.S. d.Res. v. Glasenapp).

Anfang März waren die ersten Boote eingefahren, und "S 707", "S 218", "S 216" und "S 225" verlegten am 12.03.1945 von Kiel über Gjedser nach Saßnitz.  Am 18.03.1945 folgten "S 217", "S 708" und "S 226". 

Am Abend des 06.03.1945 wurde Saßnitz das Ziel eines RAF Luftangriffs, 191 Lancaster-Bomber und sieben Mosquitos griffen Hafen und Reede an. Auf Reede wurden versenkt der Zerstörer "Z 28" sowie die U-Bootjäger "UJ 1109" und "UJ 1119", der vollbesetzte Verwundetentransporter "Robert Möhring" brannte aus. Auch die Stützpunktanlagen der 11. SFltl wurden von Bomben getroffen, der Fltl-Ing und ein Verwaltungsoffizier kamen uns Leben. Der Angriff forderte insgesamt über 500 Tote und 300 Verwundete.

Am 18.03.1945 befand sich die 2. S-Schul-Fltl auf einer Patrouillenfahrt vor Libau. Sie stieß auf eine Gruppe sowjetischer Schnellboote. Im Artilleriegefecht wurde "TK-66" versenkt und "TK-195" beschädigt.

Am 22.03.1945 fuhren "S 216" und "S 218" den Gen.Adm. Kummetz, die Kpt.z.S. Junge und Liebeschütz und die Freg.Kpt. Dominik und  Heydel nach Hela. Unterweg trafen sie mit "S 217", "S 226" und "S 225" zusammen. In Hela schiffte sich zusätzlich Adm. Buchardi zur Fahrt nach Pillau ein.

Am 25.03.1945 stellten sich auf "S 216", "S 708" und "S 217" Maschinenprobleme ein, die nur in der Werft behoben werden konnten, so dass von der 1. SFltl nur noch "S 707" und "S 218" einsatzbereit waren.

Auf deutscher Seite wurden die übrig gebliebenen großen Kampfschiffe als schwimmende Artillerie zur Unterstützung des Heeres benutzt. Daher lastete der Seekrieg in der Ostsee auf den wenigen S-, U- und R-Booten.

Die sowjetische Baltische Flotte umfasste: 

1 Schlachtschiff
2 Kreuzer
12 Zerstörer
5 Küstenschutzschiffe (T-Boote)
28 U-Boote
78 Schnellboote
73 Minensucher
204 Räumboote
47 Panzerboote

 

Die Seeflieger der Baltischen Flotte verfügten über: 

365 Jagdflugzeuge
87 Torpedoflugzeuge
74 Bomber
176 Schlachtflugzeuge
66 Aufklärer
13 Artilleriebeobachter

 

Am 27.03.1945 patrouillierten die Boote "S 64" (ObStrm. Deckert), "S 69" (Lt.z.S. Runge) und "S 81" (Oblt.z.S. Wülfing) von der 2. S-Schul-Fltl unter Führung des Flottillenchefs, KKpt H.H. Klose, westlich von Libau. Dabei stießen sie auf neun sowjetische S-Boote. Im Artilleriegefecht wurden versenkt "TK-166" und "TK-181". "S 64" enterte das beschädigte "TK-199". Ein Abschleppversuch scheiterte. Es wurden 13 Mann gerettet, darunter der verwundete sowjetische Flottillenchef. Daneben  wurden beschädigt: "TK-16", "TK-60", "TK-136" und "TK-200". 

Am 30.03.1945 erhielten "S 707" und "S 217" den Befehl, das am 27.03.1945 vor Gotenhafen (Gdingen) auf Grund gesetzte Schlachtschiff "Gneisenau" zu torpedieren, da der Gefechtsmast von den Sowjets als Artilleriebeobachtungsplattform benutzt wurde. Die Wirkung der Torpedotreffer auf den Gefechtsmast waren gleich null. 

Ende März 1945 waren die neuen Boote der 1. SFltl nach Behebung von Mängeln einsatzbereit. Sie verlegte mit sechs Booten am 06.04.1945 im dichten Nebel nach Hela, wobei die eingebauten FuMG (Radar) eine einwandfreie Navigation ermöglichten. 

Der Hafen Hela lag bereits unter Beschuss sowjetischer Artillerie. Das Troßschiff "Franken" und der U-Jäger "UJ-301" wurden am 08.04.1945 versenkt. Die 1. SFltl rettete 98 Überlebende.

Am 09.04.1945 erfolgten vier Luftangriffe auf den Hafen von Hela. Die S-Boote konnten durch Alarm-Ablegen dem Bombardement entkommen. Das mit Flüchtlingen beladene Motorschiff "Albert Jensen" wurde getroffen, "S 707" und "S 225" gingen längsseits und übernahmen die Überlebenden. Kurz darauf sank das Schiff. "S 226" wurde durch Bombensplitter beschädigt. Die Flak auf "S 216" fiel durch Rohrkrepierer aus. 

"S 216" ging zum Einbau einer neuen 3,7-cm-Kanone bis zum 19.04.1945 in die Werft nach Swinemünde und schleppte anschließend einen S-Boot-Neubau nach Saßnitz ("S 710"?). "S 226" ging ebenfalls in die Werft und kehrte nicht mehr zur Flottille zurück.

Die im Dezember 1944 aus der Ostsee abgezogene 5. SFltl (Kptlt. Holzapfel) erhielt am 02.04.1945 in Den Helder den Befehl, über Kiel nach Swinemünde zu verlegen. Hauptstützpunkt der Flottille wurde durch Befehl Admiral Westliche Ostsee Laboe, die Flottille sollte aber nach Rönne/Bornholm verlegen..

In der Nacht 09./10.04.1945 operierten "S 708" und "S 225" vor Gotenhafen. Nach dem Fall der Stadt Danzig am 30.03.1945 operierten sowjetische Schnellboote von Neufahrwasser aus in der Danziger Bucht. Sie versenkten den kleinen Dampfer "Neuwerk" durch Torpedo mit 13 Mann Besatzung, 854 Verwundeten, 60 Eisenbahnern, sieben Sanitätern und ca. 100 Flüchtlingen an Bord. Nur acht Besatzungsmitglieder konnten durch ein S-Boot gerettet werden.

Am 15.04.1945 traf die 5. SFltl mit sieben Booten in Bornholm ein. Am 01.05.1945 liefen "S 216", "S 208" und "S 217" in Rönne ein. Am 04.05.1945 liefen "S 216" und "S 217" nach Hela, übernahmen dort Vizeadmiral Thiele und brachten ihn nach Libau. Am 05.05.1945 brachten "S 216" und "S 707" ihn nach Hela zurück.  

In der Zwischenzeit hatte die 5. SFltl mehrere Fahrten zur Pommerschen Küste und nach Rügen unternommen, um abgeschnittene Truppen zu übernehmen.

Am 05.05.1945 wurde in Rönne die deutsche Kapitulation im Westraum bekannt. Daraufhin beschlossen der Chef 5. SFltl und der Kmdt . des Torpedobootes "T 28", in der Nacht zum 06.05.1945 nach Westen abzulaufen, die Besatzung an die Küste zu bringen und dann die Boote zu versenken. "T 28" erhielt jedoch den Befehl an der Evakuierung der Halbinsel Hela teilzunehmen. Der Chef 5. SFltl beschloss, sich mit seinen Booten an der Evakuierung des Kurlandes zu beteiligen. Bei der Musterung der Besatzungen forderte er jeden, der nicht bereit war mit zu fahren, auf, vorzutreten und beim Stab zu bleiben. Es trat niemand vor. Der Marsch der sechs fahrklaren Boote "S 127", "S 67", "S 85", "S 92", "S 48" und "S 110" nach Libau verlief ohne Zwischenfälle. Die Flottille lief am Morgen des 07.05.1945 ein. Sie wurde durch den Chef der 2. S-Schul-Fltl, Kptlt. Klose, begrüßt. Im Hafen lag auch die 1. SFltl.

Am Morgen des 08.05.1945 übernahmen die Boote zunächst jeweils 100 Heeressoldaten, als Waffenruhe befohlen worden war, erhöhten die S-Boote die Zahl der mitzunehmenden Soldaten schließlich bis auf 165 je Boot. Am Abend liefen Minensuch- und Räumboote, Hafenschutzboote, Schlepper, Küstenmotorschiffe und das Begleitschiff "Tsingtau" aus mit ca. 14.400 Soldaten an Bord, die "Tsingtau" allein mit 2000 Verwundeten. Nach Einbruch der Nacht folgten die 1. SFltl mit "S 707", "S 217", "S 218", "S 225", die 5. SFltl mit "S 127", "S 67", "S 85", "S 92", "S 48", "S 110" und die 2. S-Schul-Fltl mit "S 64", "S 69", "S 76", "S 81", "S 83", "S 99", "S 117", "S 135". Die 18 Boote hatten insgesamt ca. 2000 Heeressoldaten an Bord. Zurück blieb das Gros der Kurlandarmee: 42 Generale, 8038 Offiziere, 181.032 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 14.000 lettische Freiwillige gingen in russische Gefangenschaft.

Die 19 S-Boote liefen ohne Zwischenfälle am Abend des 09.05.1945 in die Geltinger Bucht ein. 

"S 216" (Kptlt. Seevers) war in Hela zurück geblieben. Es nahm 99 Soldaten an Bord und lief zusammen mit zwei Räumbooten aus. Sie sicherten zeitweilig den ex-Bäderdampfer "Rugard" mit 1300 Menschen an Bord auf dem Weg nach Westen. Am Nachmittag des 09.05.1945 griffen etwa 35 Schlachtflieger einen Geleitzug aus Kriegsfischkuttern westlich von Christiansø an. Einige Rudel griffen dabei auch "S 216" mit Bomben, Raketen und Bordwaffen an. Eine Bombe durchschlug das Vorschiff, ohne zu detonieren. An Bord gab es zwei Tote, 13 schwer und sieben leicht Verletzte unter den eingeschifften Soldaten. Am 10.05.1945 legte das Boot in Kappeln/Schlei an und schiffte die Gefallenen und die unverletzten Soldaten aus, dann lief das Boot weiter nach Schleswig, um die Verwundeten auszuschiffen.

Das auf der Insel Bornholm verbliebene Stützpunktpersonal der 5. SFltl charterte zwei Fischkutter mit Eigner und konnte so die Geltinger Bucht erreichen. 

In den letzten Kriegstagen gingen noch sechs S-Boote verloren:

Datum Boot Kmdt Verlust durch
03.05.1945 S  201 ObStrm. Kohrt Luftangriff in Kiel
04.05.1945 S 103 Oblt.z.S. Heckel Raketenbombentreffer vor Mommark
05.05.1945 Herold ex S 18 ? Bombentreffer vor Laaland
03.05.1945 S 226 Lt.z.S. v. Glasenapp Selbstversenkt nördlich Heiligenhafen
06.05.1945 S 170 ObStrm. Odermann Gesunken vor Bagenkop
06.05.1945 unbek. S-Boot ? Selbstversenkt vor Rødby Havn
07.05.1945 S 191 ? Selbstversenkt nach Kollision im Fehmarnsund
07.05.1945 S 301 Lt.z.S. Benja Selbstversenkt nach Kollision im Fehmarnsund

 

In der Geltinger Bucht lagen zum Zeitpunkt der deutschen Kapitulation die Begleitschiffe "Hermann von Wissmann", "Tanga", "Tsingtau", "Carl Peters" und "Buea" und 50 Schnellboote:

1. SFltl S 208, S 216, S 217, S 218, S 225, S 707, S 708, S 306
5. SFltl S 48, S 65, S 67, S 85, S 92, S 98, S 127, S 132
8. SFltl S 196
9. SFltl S 227
10. SFltl S 110, S 215, S 228, S 305
2. S-Schul-Fltl S 64, S 69, S 76, S 81, S 83, S 99, S 117, S 135
3. S-Schul-Fltl S 19, S 20, S 21, S 24, S 25, S 50, S 68, S 82, S 95,        S 97, S 101, S 105, S 107, S 108, S 113, S 115, S 118,   S 120, S 122, S 123

Am 11.05.1945 fand um 11.00 Uhr in der Geltinger Bucht eine letzte feierliche Flaggenparade statt. Der F.d.S., Kommodore Petersen, sprach vom Begleitschiff "Carl Peters" aus zu den auf ihren Booten angetretenen Besatzungen der 1. SFltl, der 5. SFltl und der 2. S-Schul-Fltl. Mit dem Niederholen der Flagge hatte der Schnellbootsverband aufgehört zu bestehen.

Am 14.05.1945 ging in der Geltinger Bucht das Begleitschiff "Carl Peters" verloren als es beim Schwoien vor Anker über eine Grundmine trieb und versank. Die Besatzung konnte das auf ebenem Kiel sinkende Schiff vollzählig verlassen.

Musterung in der Geltinger Bucht 

(Foto aus V. Kühn: Schnellboote im Einsatz 1939 - 1945)

 

 

 

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