Förderverein Museums-Schnellboot e.V.

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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Schnellbootwracks in der Westlichen Ostsee

Außer den vier Wracks von unfertigen Neubauten in der Lunkebucht im Osten der kleinen Insel Tåsinge bei Svendborg (Dänemark), die Taucher im Jahre 2010 gefunden haben, sind uns heute die Wrackpositionen von drei S-Booten der Kriegsmarine aus den letzten Tagen des Krieges bekannt. 

Davon ist das Wrack bei Mommark/Als klar als das am 04.05.1945 von der RAF SQN 193 versenkte "S 103"(Oblt.z.S. Heckel) identifiziert. 

Das Boot "S 226" wurde nördlich von Heiligenhafen durch Lt.z.S. von Glasenapp am 03.05.1945 selbstversenkt. Ein Wrack ist auf dieser Position nicht vorhanden.

Die Boote "S 191" (Kptlt. Weber) und "S 301" (Lt.z.S. Benis)  wurden am 05.05.1945 im südöstlichen Eingang des Fehmarn Sunds durch eine Kollision während eines Luftangriffs stark beschädigt und nachfolgend durch ihre Kommandanten selbstversenkt. Das geht aus einem Bericht des Lt.z.S. Kelm hervor. Wahrscheinlich ereignete sich das aber bereits am 04.05.1945 da am 05.05. von den Briten keine Angriffe mehr geflogen wurden. Im KTB des O.B.M. sind die Boote seit dem 03.05.1945 als vermisst bezeichnet. Auf der angegebenen Position sind ebenfalls keine Wracks vorhanden. 

Die Position "W 1" bei Rødbyhavn/Lolland bezeichnet ein von Tauchern gefundenes Wrack, das bisher nicht klar identifiziert werden konnte. In On-line- und Printpublikationen (Internetauftritt des Bubblewatcher Tauchservice und Reinhard Öser: „Auf dem Grunde des Meeres“) wird vom Wrack „W 1“ angenommen, dass es sich um die Überreste von „S 226“ handeln könnte. Das hat sich inzwischen durch den Bericht des Kommandanten als falsch erwiesen. Es handelt sich wahrscheinlich um die Überreste eines unbekannten Bootes Typ 38 oder Typ 100 einer der S-Boot-Schulflottillen.

Die Position "W 2" bei Bagenkop/Langeland bezeichnet ebenfalls ein von Tauchern gefundenes S-Boot-Wrack, das bisher nicht klar identifiziert werden konnte. Beim Wrack „W 2“ kommen die oben erwähnten Medien zu dem Schluss, dass es sich um die Überreste von „S 22“ handeln könnte. Auch das hat sich inzwischen als falsch erwiesen.

Die Position "O 1" bei Rødbyhavn/Lolland ist eine laut Søværnets Orientering Nr. 31/76 mittels elektronischer Ortung ermittelte Position eines S-Boot-Wracks aus dem 2. Weltkrieg. 

Die Positionen "R 1" und "R 2" im Fehmarn Belt sind in Gefechtsberichten der RAF Squadron 193 enthaltene Angriffspositionen, auf denen S-Boote oder vermeintliche S-Boote am 03.05. und 04.05. 1945 angegriffen wurden. Auf diesen Positionen sind  keine Wracks gefunden worden.

Die Untergangsstelle des Schnellschleppers "Herold" (ex "S 18"), der am 05.05.1945 durch Luftangriff im Smålandsfarvandet versenkt wurde, liegt zwischen Lolland und Ømø.

Als in den ersten Tagen des Mai 1945 in der westlichen Ostsee verloren gegangene S-Boote der Kampfgeschwader sind als Verluste bzw. als vermisste Boote nachgewiesen: "S 103", "S 170", "S 191", "S 201", "S 226"  und "S 301".

 

Wracks und Gefechtspositionen in der westlichen Ostsee Mai 1945

 

Wrack auf Position 54°16′ N 10°07′  - "S 103"

Das Wrack stammt von dem am 04.05.1945 zwei bis drei Seemeilen südöstlich Momark/Alsen von Typhon IB-Jadgbombern versenkten Bootes "S 103" (Oblt.z.S. Hans-Wulf Heckel). Das Wrack liegt auf 35 m Tiefe in der Nähe eines Unterwasserkabels und wurde deshalb von der dänischen Marine nicht gesprengt, wie ursprünglich geplant, obwohl an Bord sowohl Torpedos als auch Artilleriemunition gefunden wurden.

Das Boot war von Svendborg/Fynen unterwegs nach Flensburg, um zu erkunden, ob die Briten bereits dort stünden. An Bord des Bootes befanden sich eine total uneingefahrene Besatzung und zwei nicht zur Besatzung gehörende Gäste als es vor Mommark gegen 16.00 Uhr überraschend von Typhoon I B-Jagdbombern der RAF Squadron 193 mit Raketenbomben und Bordwaffen angegriffen wurde. Das Boot musste zwei Volltreffer hinnehmen und sank. Kommandant und 11 Mann der Besatzung z.T. verwundet wurden von einem dänischen Fischerboot aufgenommen und nach Mommark gebracht.

Der dänische Zweig von Teledyne Marine hat inzwischen mit dem BlueView M900-2250 MKII, eines ihrer Produkte, das Wrack vermessen und die Daten mittels 3D-Software sichtbar gemacht. Aus vielen zusammengefügten Sonarbildern, von den eines unten gezeigt wird, ist durch die firmeneigene 3D-Software das Image eines S-Bootes vom Typ S 38 mit Kalotte geworden. Die Firma hat uns freundlicher Weise am 18.02.2020 das Video und das 3D-Image zur Verfügung gestellt.

Screenshot aus dem Video der Firma Teledyne Marine

Mittels 3D-Software der Firma Teledyne erstelltes Image

Der Förderverein Museums-Schnellboot hat angeregt, dass die Firma auch die Wracks bei Bagenkop und Rødby Havn so vermisst und sichtbar macht, um eine klare Identifizierung ohne Tauchereinsatz möglich zu machen.

 

Wrack auf Position 54°39,7′ N 11°11,8′ E - Unbekanntes S-Boot Typ "S 100" - W 1

Das nordwestlich des Hafens Rødbyhavn an der Südspitze der Insel Lolland von Tauchern und durch elektronische Mittel auf 16 m Wassertiefe gefundene Wrack eines S-Bootes der Kriegsmarine ist ein laut Bericht der Polizeidienststelle Nakskov am 06.05.1945 nach einem Bombentreffer selbst versenktes deutsches Marinefahrzeug. 

Es ist durch Tauchgänge als ein eindeutig zum Typ "S 38" oder "S 100" gehörendes S-Boot identifiziert worden. Die verfügbaren Unterwasseraufnahmen belegen diese Identifizierung. Zwar weichen die von den Tauchern angegebene Position und die mit elektronischen Mitteln festgestellte Position voneinander ab, es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich um ein und dasselbe Wrack handelt.

Brunnen für die vordere 20mm-Flak - Bild: Marine Research Germany

Das Boot ist nach einem Bombentreffer nordwestlich Rødbyhavn durch seine Besatzung laut Polizeibericht selbst versenkt worden. Kommandant (Name unbekannt) und 19 von 23 Mann der Besatzung gingen bei Kramnitze mit Hilfe der an Bord verbliebenen Rettungsmittel an Land und meldeten sich bei der nächsten dänischen Polizeistation.

In den Taucherberichten vom Bubblewatcher Tauchservice und vom Marine Research Germany wird dieser Fund als Wrack von "S 226" bezeichnet. Die Selbstversenkung "S 226" (Lt.z.S. d.Res. von Glasenapp) erfolgte aber bereits am 03.05.1945 nördlich von Heiligenhafen, wie dem schriftlichen Bericht des Kommandanten zu entnehmen ist.

Zwei andere S-Boote vom Typ "S 100", die in den letzten Tagen des Krieges in der westlichen Ostsee verloren gingen, "S 191" und "S 301", wurden im KTB der Seekriegsleitung (SKl) ab 05.05.1945 als vermisst geführt. Die beiden Boote waren durch eine Havarie im östlichen Eingang des Fahrmarn Sund so stark beschädigt, dass ihre Besatzungen sie an Ort und Stelle selbst versenkten. 

Das Boot "S 201" lag in der Kriegsmarinewerft Kiel und wurde am 03.05.1945 nach schweren Bombenschäden durch seine Besatzung dort selbstversenkt.

Boote vom Typ "S 38" und vom Typ "S 100" wurden außer in den Kampfflottillen auch in den S-Boot-Schulflottillen gefahren. Da aber für die in Ausbildung befindlichen Boote der S-Schulflottillen keine Kriegstagebücher vorliegen, sind aus den letzten Tagen des Krieges auch keine Verluste von S-Booten des Typs "S 100" bekannt geworden.

Daher muss das Wrack bei Rødbyhavn einem unbekannten S-Boot des Typs "S 38" oder des Typs "S 100" einer der S-Boot-Schulflottillen zugerechnet werden.

 

Wrack auf Position 54° 40' N   010° 42' E - "S 170" - "S 170" - W 2

 Das Wrack zwei Seemeilen südwestlich des Leuchtfeuers Keldsnor im Süden der Insel Langeland auf 24 m Wassertiefe stammt den verfügbaren Unterwasseraufnahmen zufolge von einem Schnellboot des Typs "S 100". 

 Verschlussklappe Stb Torpedorohr (eindeutig neueren Typs) - Bild: Marine Research Germany 

Ankerspill mit Kette (endeutig neuere Bauart) - Bild: Marine Research Germany 

Nach unserer Auffassung ist es das Wrack von "S 170" (Lt.z.S. Arnhardt). Das Boot war am 03.05.1945 zusammen mit "S 226" (Lt.z.S. d.Res. von Glasenapp) und zwei Minensuchern unterwegs von Travemünde nach Flensburg. Laut Bericht des ehemaligen Kommandanten von "S 226", der uns vorliegt, wurde der Verband westlich des Fehmarnbelt von 12 Typhoon I B-Jagdbombern angegriffen.  Während eines weiteren Angriffs 20 Minuten später nördlich von Putlos hatte sich "S 226" getarnt und unternahm keine Gegenwehr, während "S 170" aus allen Rohren feuernd mit hoher Fahrt zu entkommen suchte. Bei diesem Angriff wurde ein Minensucher schwer beschädigt. Als "S 226" vorschlug, zusammen dem Minensucher zur Hilfe zu eilen, meuterte die Besatzung von "S 170". "S 226" rettete die Überlebenden des Minensuchers und versenkte sich kurz darauf vor Heiligenhafen selbst. Das weitere Schicksal des Bootes "S 170" wird in dem Bericht aber nicht beschrieben. 

Die letzte bekannte Position von "S 170" nördlich Putlos und die Tatsache, dass es auf der Fahrt nach Flensburg war und im KTB der SKl als vermisst geführt wurde, legt nahe, von einem möglicher Weise durch einen Minentreffer verursachten Untergang bei Keldsnor ohne Überlebende und ohne jegliche Meldung des Verlustes auszugehen.

Die von Tauchern getroffene Annahme, dass es sich um das "Wrack" von "S 22" handeln könne, wird durch die telefonische Mitteilung des letzten Funkers von "S 22", Herrn Raimund Schulz, vom 17.01.2016 an den Web-Master, dass "S 22" Anfang April 1945 im Hafenbecken in Wilhelmshaven auf Grund von Beschädigungen nach dem letzten großen Bombenangriff der Alliierten auf Wilhelmshaven am 30.03.1945 gesunken sei, widerlegt.

 

Selbstversenkungsposition 54°23′ N 11°05′ E - "S 191" und "S 301"

Die bei Hümmelchen genannte Position für die Selbstversenkung der Boote "S 191" und "S 301" im östlichen Eingang des Fehmarn Sund auf relativ flachem Wasser lässt vermuten, dass die Wracks in den Jahren nach dem Kriege entweder gesprengt oder gehoben wurden, da sie in der Position für Schifffahrt und Fischerei hinderlich waren.

 

Selbstversenkungsposition ca. 54°25′ N 10°59′ E - "S 226"

Die im Bericht des Kommandanten "S 226" genante Position für die Selbstversenkung nördlich Heiligenhafen ebenfalls auf relativ flachem Wasser lässt eine Sprengung oder Hebung nach Ende des Krieges aus den gleichen Gründen vermuten. 

 

Es bleibt festzustellen, dass die Bombenangriffe auf den Schnellschlepper "Herold"  (ex "S 18") am 05.05.1945 und das vor Rødbyhavn untergegangene Boot am 06.05.1945 nicht durch die RAF ausgeführt wurden, da die Teilkapitulation bereits in Kraft war. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass die Angriffe durch sowjetische Kampfflieger erfolgten.