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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Schnellbootwracks in der Westlichen Ostsee

Außer den vier Wracks in der Lunkebucht im Osten der kleinen Insel Tåsinge bei Svendborg (Dänemark), die Taucher im Jahre 2010 gefunden haben, sind uns heute die Wrackpositionen von drei S-Booten der Kriegsmarine bekannt. Davon ist das "Wrack von "S 103" klar identifiziert. Die Positionen "W 1" und "W 2" stellen von Tauchern gefundene S-Boot-Wracks dar, die bisher nicht klar identifiziert werden konnten. Die Positionen "R 1" und "R 2" sind in Gefechtsberichten der RAF Squadron 193 enthaltene Angriffspositionen, auf denen S-Boote oder vermeintliche S-Boote angegriffen wurden. Die Position "O 1" ist eine mittels elektronischer Ortung festgestellte Position eines S-Boot-Wracks.

 

Wrack auf Position 54o 16'N 010o 07'E - "S 103"

Das Wrack stammt von dem am 04.05.1945 zwei bis drei Seemeilen südöstlich Momark/Alsen von Typhon IB-Jadgbombern versenkten Bootes "S 103" (Oblt.z.S. Hans-Wulf Heckel). Das Wrack liegt auf 35 m Tiefe in der Nähe eines Unterwasserkabels und wurde deshalb von der dänischen Marine nicht gesprengt, wie ursprünglich geplant, obwohl an Bord sowohl Torpedos als auch Artilleriemunition gefunden wurde.

Das Boot war von Svendborg/Fynen unterwegs nach Flensburg, um zu erkunden, ob die Briten bereits dort stünden. An Bord war eine total uneingefahrene Besatzung und zwei nicht zur Besatzung gehörende Gäste als es vor Mommark gegen 16.00 Uhr überraschend von Typhoon IB-Jagdbombern der RAF Squadron 193 mit Raketenbomben und Bordwaffen angegriffen wurde. Das Boot musste zwei Volltreffer hinnehmen und sank. Kommandant und 11 Mann der Besatzung z.T. verwundet wurden von einem dänischen Fischerboot aufgenommen und nach Mommark gebracht.

 

Wrack auf Position 54°39,7′ N 11°11,8′ E- Unbekanntes S-Boot Typ "S 100" - W 1

Das nordwestlich des Hafens Rødbyhavn an der Südspitze der Insel Lolland laut Bericht der Polizeidienststelle Nakskov am 06.05.1945 nach einem Bombentreffer selbst versenkte Marinefahrzeug ist durch Tauchgänge als eindeutig zumTyp "S 100" gehörendes S-Boot identifiziert worden. Die verfügbaren Unterwasseraufnahmen belegen diese Identifizierung. Zwar weichen die von den Tauchern angegebene Position und die mit elektronischen Mitteln festgestellte Position voneinander ab, es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich um ein und dasselbe Wrack handelt.

Brunnen für die vordere 20mm-Flak - Bild: Marine Research Germany

Das Boot ist am 06.05.1945 nach einem Bombentreffer nordwestlich Rødbyhavn durch seine Besatzung selbst versenkt worden. Kommandant und 19 von 23 Mann der Besatzung gingen bei Kramnitze mit Hilfe der an Bord verbliebenen Rettungsmittel an Land und meldeten sich bei der Polizeistation.

Zu diesem Zeitpunkt war "S 226" (Lt.z.S. d.Res. von Glasenapp) bereits nördlich von Heiligenhafen selbstversenkt worden. Die beiden anderen S-Boote, die in den letzten Tagen des Krieges in der westlichen Ostsee verloren gingen, "S 191" und "S 301" wurden im KTB der Seekriegsleitung ab 05.05.1945 als vermisst geführt. Die beiden Boote waren durch eine Havarie im östlichen Eingang des Fahrmarnsundes so stark beschädigt, dass ihre Besatzungen sie selbst versenkten. 

Da für die Boote der 2. S-Schulflottille keine Kriegstagebücher vorliegen, sind aus den letzten Tagen des Krieges auch keine Verluste von S-Booten des Typs "S 100" bekannt.

Daher muss das Wrack bei Rødbyhavn einem unbekannten S-Boot des Typs "S 100" zugerechnet werden.

Die Annahmen von Herrn Reinhard Öser und vom Bubblewatcher Tauchservice, dass es sich um das Wrack von "S 226" handelt, werden durch den uns vorliegenden Bericht das Kommandanten widerlegt.

 

Wrack auf Position 54° 40' N   010° 42' E - "S 170" - W 2

 Das Wrack zwei Seemeilen südwestlich des Leuchtfeuers Keldsnor im Süden der Insel Langeland stammt den verfügbaren Unterwasseraufnahmen zufolge von einem Schnellboot der Klasse "S 100". 

 Verschlussklappe Stb Torpedorohr (eindeutig neueren Typs) - Bild: Marine Research Germany 

 

Ankerspill mit Kette (endeutig neuere Bauart) - Bild: Marine Research Germany 

Nach unserer Auffasssung ist es das Wrack von "S 170". Das Boot war am 03.05.1945 zusammen mit "S 226" (Lt.z.S. d.Res. von Glasenapp) und zwei Minensuchern unterwegs von Travemünde nach Flensburg. Laut Bericht des ehemaligen Kommandanten von "S 226", der uns vorliegt, wurde der Verband westlich des Fehmarnbelt von 12 Typhoon IB-Jagdbombern angegriffen.  Während eines weiteren Angriffs 20 Minuten später nördlich von Putlos hatte sich "S 226" getarnt und unternahm keine Gegenwehr, während "S 170" aus allen Rohren feuernd mit hoher Fahrt zu entkommen suchte. Bei diesem Angriff wurde ein Minensucher schwer beschädigt. Als "S 226" vorschlug zusammen dem Minensucher zur Hilfe zu eilen, meuterte die Besatzung von "S 170". "S 226" rettete die Überlebenden das Minensuchers und versenkte sich kurz darauf vor Heiligenhafen selbst. Das weitere Schicksal des Bootes "S 170" wird in dem Bericht aber nicht beschrieben. 

Die letzte bekannte Position von "S 170" nördlich Putlos und die Tatsache, dass es als vermisst geführt wurde, legt nahe, seinen Untergang bei Keldsnor ohne jegliche Meldung des Verlustes und von Überlebenden möglicher Weise durch einen Minentreffer anzunehmen.

Die von Herrn Reinhard Öser und Bubblewatcher Tauchservice angeführte Möglichkeit, dass es sich um das "Wrack" von "S 22 handeln könne, wird durch die telefonische Mitteilung des letzten Funkers von "S 22", Herrn Raimund Schulz, vom 17.01.2016 an den Web-Master, dass "S 22" Anfang April 1945 im Hafenbecken in Wilhelmshaven gesunken sei, als unhaltbar angesehen.

 

Selbstversenkungsposition 54°23′ N 11°05′ E - "S 191" und "S 301"

Die bei Hümmelchen genannte Position für die Selbstversenkung der Boote "S 192" und "S 301" im östlichen Eingang des Fehmarnsundes auf relativ flachem Wasser lässt vermuten, dass die Wracks in den Jahren nach dem Kriege entweder gesprengt oder gehoben wurden, da sie in der Position für Schifffahrt und Fischerei hinderlich waren.

 

Selbstversenkungsposition ca. 54°25′ N 10°59′ E - "S 226"

Die im Bericht des Kommandanten "S 226" genante Position für die Selbstversenkung nördlich Heiligenhafen ebenfalls auf relativ flachem Wasser lässt eine Sprengung oder Hebung aus den gleichen Gründen vermuten.