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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Englischer Kanal 1945

Der Jahresanfang 1945 war bestimmt durch schlechtes Wetter, so dass die Boote nicht ausliefen oder beim Versuch, einen Einsatz durchzuführen, umkehrten. 

Die 5. SFltl war am 10.01.1945 mit sechs Booten in Den Helder eingelaufen. In der Nacht 14./15.01.1945 verminten die Boote von der 2. und der 5. SFltl den Weg vor Cromer. Bei der Rückkehr lief "S 180" (Oblt. z.S. Pillet) auf eine deutsche Mine. Die Torpedos explodierten und das Boot sank. Kommandant und sieben Mann trieben eine Woche später tot an Land. Es konnten drei Tote, drei Verwundete und neun Mann unverwundet geborgen werden. 

In der Nacht 15./16.01.1945 wurde ein Torpedoeinsatz mit unterschiedlichen Angriffspunkten vor der Themsemündung und vor Zeebrügge durchgeführt. Der 8. SFltl gelang es, das Panzer-Landungsschiff "LST 415" vor der Themsemündung zu torpedieren. Die Boote kehrten unbeschädigt zurück.

 

Schlechtes Wetter bis zum 20.01.1945 verhinderte jeden Einsatz der Boote. Erst in der Nacht 22./23.01.1945 gingen die 4., 6., 8. und 9. SFltl von Ijmuiden bzw. Hoek van Holland aus mit  insgesamt 16 Booten in See, um gegen Geleite in der Scheldemündung und im Kanal zu operieren. Da keine Aufklärungsergebnisse vorlagen, gelang nur der 9. SFltl ein Angriff auf einen Nachzügler eines Konvois. Der Frachtdampfer „Halo“ (2.365 BRT) wurde mit einem Fächerschuss versenkt. Die anderen Flottillen wurden durch Geleitfahrzeuge abgedrängt, dabei erhielt "S 168" (Oblt.z.S. Dau) einen 7,6 cm Treffer auf der Brücke, ein 5,7 cm Treffer zerstörte das Bb-Torpedorohr. ein Mann fiel, sechs wurden verwundet. "S 175" wurde leicht beschädigt. Auf "S 219" fiel eine Hilfsmaschine aus, auf "S 202" traten so starke Erschütterungen auf, dass das Boot Schaden nahm. Beide Boote mussten aKB gestellt werden. 

Die 8. SFltl geriet ohne den Konvoi gesichtet zu haben in Gefechte mit einer britischen Fregatte, einer britischen Sloop und drei MGB-Gruppen zu je drei Booten. Dabei kollidierten "S 701" und "S 199". Bei einer Kollision zwischen den MGBs wurde "MGB 495" stark beschädigt. "S 199" (Oblt. z.S. Quistorp) wurde der Bug abgerissen, das Boot war so stark beschädigt, dass es nicht gehalten werden konnte und daher selbst versenkt wurde. 

Eines der letzten Bilder von "S 199" - Bild aus Steve Wiper: Kriegsmarine Schnellboote

Nach mündlichem Bericht von OLt.z.S. a.D. Quistorp am 25.08.2012 dem Verfasser gegenüber wurden die Überlebenden der Besatzung nach 6 1/2 Stunden in den Rettungsflößen durch den Minensucher HMCS "Neave" aus den eiskalten Wassern des Kanals gerettet, es gab einen Toten und drei Verwundete verursacht durch die Schrauben der "Neave".  In den Erinnerungen an den Schnellbootkrieg im Westen von Rebensburg schreibt Quistorp, dass er die Seemannschaft und die Kameradschaft der kanadischen Besatzung loben muss. Oblt.z.S. Quistorp und 17 Überlebende wurden im Hafen an die Army übergeben und als Kriegsgefangene nach Gillingham gebracht.

In einigen Quellen wird angenommen, dass "S 701" von "S 199" gerammt wurde. Auch wird in einigen Quellen - besonders in britischen - davon ausgegangen, dass "S 199" von der Batterie von Fort Tongue Sand versenkt wurde. Hümmelchen berichtet: Die Überlebenden der Besatzung (von "S 199") gingen bei Fort Tongue Sand an Land.

Positionen der Forts im Wasser vor der Themsemündung - Bild aus Wikipedia

Beim Einlaufen in Ijmuiden lief "S 194" auf Grund, kam aber wieder frei. "S 701" wurde durch eigene Vorpostenboote unter Feuer genommen und nahm so starke Schäden, dass es bis Kriegsende nicht wieder einsatzbereit wurde. Es hatte einen Toten und drei Verletzte gegeben.

 

KTB 8. SFltl Gefechtsbericht S 701

In der Nacht 23./24.01.1945 liefen die 4., 6. und 9. SFltl mit acht Booten zum Torpedoeinsatz gegen den Themse-Schelde-Verkehr aus. Sie mussten wegen schlechten Wetters umkehren. Die 5. SFltl lief mit sechs Booten zum Mineneinsatz aus. Wegen Maschinenschäden auf zwei Booten und weil ein Boot bei schlechter Sicht den Anschluss verlor, warfen nur drei Boote ihre Minen auf dem Weg. Die Flottille wurde nach dem Minenwerfen aus der Luft mit Bomben und mit Bordwaffen angegriffen. Das Führerboot "S 98" nahm dabei Splitterschäden auf der Brücke und an der Bordwand.

In der Nacht vom 24./25.01.1945 wurden wiederum Mineneinsätze gegen die Konvoi-Route bei Orfordness gefahren. Alle Boote kehrten unbeschädigt in die Einsatzhäfen zurück.  

Da die Eislage in Rotterdam sich verschlechterte, der Hafen hatte eine geschlossene Eisdecke, auf der Maas herrschte Eisgang, verlegten die 4. SFltl mit "S 205" und "S 703", die 6. SFltl mit "S 211", "S 222", "S 223" und "S 704" und 9. SFltl mit "S 130" am 26.01.1945 nach Ijmuiden.  

Am 29.01.1945 liefen die 2. und 5. SFltl mit 11 Booten zur Verseuchung des Weges zwischen Cromer und Humbermündung aus. Das schlechte Wetter machte den Booten schwer zu schaffen, teilweise sprangen die Minen aus den Schienen. Alle Boote kehrten mit schweren Seeschäden zurück und mussten aKB gemeldet werden.  

Auch am 31.01.1945 ließ das Wetter keinen Einsatz der Boote zu. Am 03.02.1945 erfolgte ein Angriff von 17 Lancaster-Bombern auf Ijmuiden.  

In der Nacht 05./06.02.1945 liefen die 2. und 5. SFltl zu einem Mineneinsatz aus. Wegen schlechter Sicht musste umgekehrt werden. Auf dem Rückweg wurden die Boote mit Bomben angegriffen, ohne Schäden zu nehmen. Am 08.02.1945 erfolgte ein weiterer Bombenangriff auf den Hafen von Ijmuiden mit 15 Lancaster-Bombern.

Am 12.02.1945 wurde wieder ein Mineneinsatz befohlen, der aber wegen Nebels abgebrochen wurde. Das gleiche am 15.02.1945.  

In der Nacht  17./18.02.1945 erfolgte der nächste Mineneinsatz der 2. und 5. SFltl mit 11 Booten in der Humbermündung. Auf diesen Sperren sanken der französische Geleitzerstörer „La Combattante“ am  23.02. und am 25.02. der Trawler „Aquarius“. Die Frachter „City of Lincoln“ (8o39 BRT) und „Cydonia“ (3517 BRT) am 19. bzw. 28.02. erhielten Minentreffer ohne zu sinken.  

In der Nacht 20./21.02.1945 fuhren 20  Boote der 2., 4., 8. und 9.  SFltl einen Torpedoeinsatz gegen ein Südgeleit, mussten aber zurückkehren, ohne den Konvoi gefunden zu haben.  

In der Nacht 21./22.02.1945 fuhren die sechs Flottillen mit 22 Booten einen Torpedoeinsatz gegen einen  Konvoi bei Smith’s Knoll. Die  Boote "S 174" und "S 209" der 2. SFltl befanden sich bei schlechter Sicht plötzlich mitten im Konvoi, "S 174" schoss zwei LUT, "S 209" zwei T-1, ohne zu treffen. Nach dem Nachladen schoss "S 209" zwei weitere Torpedos, ebenfalls ohne Erfolg. Im Ablaufen  hörten sie fünf Detonationen. Ein Frachter war in Brand geschossen worden. "S 209" erhielt im Gefecht mit Sicherungskräften mehrere Treffer. Ein Brand konnte schnell gelöscht werden. Ein Mann wurde verwundet. Die 1. Gruppe der 2.SFltl und die 5. SFltl griffen südlich von Great Yarmouth einen Konvoi an und konnten vier bzw. sieben Torpedotreffer melden. Es sanken die britischen Frachtdampfer „Goodwood“ (2.780 BRT) und „Blacktoft“ (1.109 BRT), der ehemals dänische Frachter „Skjold“ (1.345 BRT) wurde in Brand geschossen. Alle Boote der 2. SFltl hatten während dieses Einsatzes Maschinenstörungen auf Grund salzhaltigen Dieselöls. Die Flottille fiel zwei Tage aus, um die Tanks auszubauen und zu reinigen. Die 8. SFltl griff vor der Themse einen Landungsverband an und konnte "LCP 707" versenken. Die 4., 6. und 9. SFltl blieben erfolglos. Auf dem Rückmarsch musste "S 167" (St.Ob.Strm. Seifert) nach einer Kollision aufgegeben werden.  

Nach einem Bomenbenangriff am 22.02.1945 blieb "S 193" im Bunker Ijmuiden gefangen,   

In den Nächten 22./23.02. und 23./24.02.1945 legten die 4., 6., 8. und 9. SFltl auf den Themse-Schelde-Weg Minen, auf dem Rückweg schossen drei Boote der 8. und zwei Boote der 2. SFltl einen Jagdbomber ab, "S 209" einen weiteren. Auf den gelegten Sperren sanken fünf Fahrzeuge mit zusammen 25.226 BRT.

Da am 19.02.1945 erstmalig russische Schnellboote den deutschen Verkehr nach Kurland angegriffen hatten, befahl das MOK Nord die Verlegung der 5. SFltl in die Ostsee. Der F.d.S. schlug vor, stattdessen die in Aufstellung befindliche 1. SFltl einzusetzen, da alle Kommandanten erfahren und mit der russischen Kampfführung vertraut waren, daher verblieb die 5. SFltl vorerst im Westen.    

 In der Nacht 24./25.02.1945 warf die 4. SFltl mit fünf Booten wiederum Minen auf dem Themse-Schelde-Weg. Die 11 Boote der 2. und 5. SFltl sollten vor Smith’s Knoll angreifen. Durch Erfassung durch die Luftaufklärung konnten die Sicherungskräfte die Boote aber abdrängen. In der gleichen Nacht ging "S 167" nach einer Kollision in den Hoofden durch Selbstversenkung verloren.

In der Nacht vom 28.02./01.03.1945 fuhren 14 Boote von der 2., der 5. und der 8. SFltl vor Cromer einen Torpedoeinsatz ohne Ziel zu finden. In der gleichen Nacht nahm "S 220" (Kptlt. Dross) Treffer im Gefecht mit einem britischen Geleitzerstörer und einer britischen Fregatte Treffer im Stb-Seitenmaschinenraum und musste aufgegeben werden. Nach Sprengung und weiteren Treffern von den Sicherungskräften detonierte ein Torpedo und das Boot sank schnell. Die Besatzung wurde bis auf drei Mann durch die Briten gerettet.  

In der Nacht 09./10.03.1945 fuhr die 4. SFlt mit fünf Booten, die 6. SFltl mit vier Booten und die 9. SFltl mit vier Booten einen Mineneinsatz entlang der Küste vor der Schelde. Sie gerieten in ein Gefecht mit einem MGB und vier MTB, die ihnen dort aufgelauert hatten, ohne nennenswerte Schäden zu nehmen.

In der Nacht 11.03/12.03.1945 fuhren 11 Boote von der 2. und der 5. SFltl einen Torpedoeinsatz vor Sheringham ohne Ziele zu finden während die 4. SFltl einen Mineneinsatz vor der britischen Ostküste wegen Nebels abbrechen musste. In den Nächten 13./14. und 17./18.03.1945 erging es ihr ähnlich.

In der Nacht vom 13.03./14.03.1945 fuhren sechs Boote von der 2. SFltl, drei Boote von der 4. SFltl, fünf Boote von der 6. SFltl und drei Boote von der 9. SFltl einen Torpedoeinsatz vor sheringham ohne Ziele zu finden. Auf dem An- und auf dem Rückmarsch mussten die Boote zahlreiche Luftangriffe über sich ergehen lassen.  

Die 2. SFltl konnte in der Nacht 17./18.03.1945 eine Sperre mit 30 Minen bei Smith’s Knoll werfen. Ein Torpedoeinsatz der 6. und 9. SFltl vor Margate musste wegen Nebels abgebrochen werden.  

Die 6. SFltl warf in der Nacht 18./19.03.1945 mit 7 Booten 42 Minen vor der englischen Ostküste und griff einen Konvoi vor Lowestoft mit Torpedos an.  Es wurden sieben versenkte Schiffe und ein torpedierter Zerstörer gemeldet. Tatsächlich sanken aber nur die  Frachter „Rogate“ (2.871 BRT) und „Crichtoun“ (1.097 BRT). Die 2., 4., 5. und 9. SFltl operierten mit Minen und Torpedos auf der Themse-Schelde-Route. Auf den Minen sanken am 19.03. und 20.03. zwei Frachter mit  zusammen 14.315 BRT, ein Trawler und das Panzerlandungsschiff "LST 80". Ein Liberty-Schiff wurde beschädigt. Ein Angriff der 4. SFltl an der britischen Ostküste blieb nach Bombenangriff und Gefecht mit Bewachern ohne Erfolg.  

Die 8. SFltl war nach einem Angriff auf Ijmuiden am 14.03.1945 mit neun B 17-Bombern nicht kriegsbereit.

In der Nacht vom 21./22.03.1945 fuhr die 2. SFltl einen Torpedoeinsatz. Auf "S 210" fiel die Aufladung der Mittelmaschine aus. Da die Flottille nur aus drei Booten bestand, wurde kehrt gemacht. Auf dem Rückmarsch wurden die Boote von Beaufightern mit Bordwaffen und Raketen angegriffen. Auf dem Führerboot, "S 181", wurde ein Brennstofftank, Abt. VII und die Kalotte getroffen, das Boot geriet in Brand. Der Flottillen-Chef (Kptlt. Opdenhoff), der Kommandant (Oblt. z.S. Schlenk) und 12 Mann fielen. Auf "S 210" wurde die Luftleitung zum Anlassen der Motoren getroffen. Daher übernahm "S 209" die Bergung der Besatzung "S 181". Das brennende "S 181" sank 34 sm nordwestlich Texel. Die 2. und 5. SFltl wurden auf einen Konvoi angesetzt fanden allerdings keine Ziele.  

In der Nacht 22./23.03.1945 war er Themse-Schelde-Weg erneut Ziel einer Minenoperation der 4. und 6. SFltl. Schon auf dem Anmarsch wurden die Boote in Gefechte mit MTB verwickelt. "S 205" erhielt einen Treffer in den Brückenaufbau. Zwei Mann fielen, zwei Mann wurden verwundet. Auf "S 204" wurden zwei Mann verwundet. 

In der Nacht 25./26.03.1945 waren die 4., 6. und 9. SFltl wieder zum Verminen des Geleitweges unterwegs. Nur die 9. SFltl konnte ihre Minen werfen. Die beiden anderen Flottillen wurden durch die Geleitzerstörer „Arendal“ (norwegisch) und „Krakowiak“ (polnisch) und die britische Fregatte „Riou“ angegriffen und abgedrängt. "S 205", "S 204" und "S 703" nahmen Treffer, dabei fielen auf "S 205" drei Mann. Auf den Minen der 9. SFltl sanken zwei Frachter mit zusammen 14.423 BRT und die britische Motorlaunch "ML 466".

Die 4. SFltl warf in der gleichen Nacht mit vier Booten Minen. Dabei wurde sie von MTBs abgedrängt und von einem Geleitzerstörer beschossen. Ein Torpedoschuss auf diesen ging fehl.  Auf den Minen sank das britische "LCP 840". Ein norwegischer Motortanker wurde beschädigt.

Drei weitere Boote der Nordseeflottillen gingen durch Bombentreffer am 30.03.1945 verloren als 358 B-24 Bomber der USAF Wilhelmshaven angriffen, "S 194" lag dort zur Reparatur nach Minentreffer im Februar vor Ijmuiden, "S 186" und "S 224" lagen dort zu Maschinenreparaturen. 

Treibstoffmangel hielt die Boote in der ersten Aprilwoche in ihren Häfen fest. Die Verlegung der 5. SFltl in die Ostsee lief am 02.04.1945 an. 

Erst in der Nacht 06./07.04.1945 konnte die 2. SFltl (Kptlt. Wendler) mit sechs Booten zu einer Minenoperation auslaufen. Unter Beschuss von einer britischen Fregatte und einem britischen Geleitzerstörer wurden die Minen gelegt. Dann griffen "MTB 501" und "MTB 781" in das Gefecht ein. "MTB 501" sank nach Treffer in der Maschine. Auf dem Rückmarsch stießen drei MTBs überraschend in die 2. SFltl hinein. "S 176" (Oblt.z.S Stockfleth) rammte "MTB 494", das kenterte und kieloben schwamm. "S 177" und "MTB 493" kollidierten und das MTB rammte auch noch das Wrack des "MTB 494". In dem Gefecht erhielt "S 177" zahlreiche Unterwassertreffer und musste aufgegeben werden. "S 174" übernahm die gesamte Besatzung. "S 176" geriet durch Treffer in Brand und musste ebenfalls aufgegeben werden. Die Besatzung wurde von "MTB 497" und "MTB 775" gerettet. Fünf Mann waren gefallen. Dies war der letzte Einsatz der 2. SFltl.

Am Abend des  07.04.1945 flogen 15 Lancaster-Bomber und zwei Mosquitos unter Geleitschutz von 24 Spitfires einen Angriff auf den S-Boot-Bunker Den Helder.

In der Nacht 07./08.04.1945 waren die 4. SFltl mit sechs Booten und die 6. SFltl mit sieben Booten im Mineneinsatz gegen die Themse-Schelde-Route. In einem Gefecht mit  britischen MTB kollidierten "S 202" (Kptlt. Wiencke) und "S 703" (Oblt.z.S Steinhauer). Beide Boote mussten aufgegeben werden. Von "S 202" fielen sechs Mann darunter der Kommandant, von "S 703" fielen sieben Mann. Die Überlebenden gerieten in Gefangenschaft. "S 223" (Oblt.z.S Brandi) lief vor Ostende auf eine Mine und sank. Kommandant und acht Mann konnten gerettet werden, 20 Mann gingen mit dem Boot unter. Die 9. SFltl versuchte in der Schelde-Mündung „Linsen“ auszusetzen. Der heftige Seegang beschädigte die Ablaufbühnen, daher wurde der Einsatz abgebrochen.

In der Nacht 12./13.04.1945 führten die 4., 6. und 9. SFltl mit insgesamt 12 Booten einen Mineneinsatz durch. Nach Werfen der Sperre gerieten die Boote unter Beschuss von einem britischen Geleitzerstörer und einer britischen Fregatte sowie MTBs. "S 205" erhielt schwere Treffer, konnte aber wie alle anderen Boote, die zum Teil noch von einem weiteren Geleitzerstörer beschossen wurden, nach Hook van Holland einlaufen. 

Die Lage an der Landfront im Westen und der Treibstoffmangel ließen keinen weiteren Schnellbootseinsätze mehr zu. Das Stützpunktpersonal war nach Dänemark in Marsch gesetzt worden. Auf Befehl von Dönitz, sich bei ihm zu melden, mussten "S 174" und "S 209" den SS-Obergruppenführer Seiß-Inquart nach Deutschland bringen. Er traf am 03.05.1945 in Flensburg ein und wurde auf dem Rückweg in Hamburg durch die Engländer verhaftet. 

Am Tage der deutschen Teilkapitulation, am 04.05.1945,  lagen  in Holland noch folgende deutsche Schnellbootflottillen:

2. SFltl Den Helder S 210 und S 221  
8. SFltl Den Helder S 197 und S 701
4. SFltl Rotterdam S 204, S 205, S 219 und S 304
6. SFltl Rotterdam S 211, S 212, S 213, S 222, S 704, S 705 und S 706  
9. SFltl Rotterdam S 130, S 168, S 175, S 206, S 207 und S 214.

Die zur 2. SFltl gehörenden Boote "S 209" und "S 174" lagen in Tönning bzw. in Brunsbüttel.

 

"S 209" in Brunsbüttel - Foto: Archiv Förderverein

Die Boote "S 204" (Lt.z.S. Hinrichs) und "S 205" (Kptlt Seeger) brachten am 13.05.1945 KAdm Breuning (Befehlshaber Sicherung West) von Den Helder nach Felixstowe. Mit an Bord waren der Chef 4. SFltl, Korv.Kpt. Fimmen, und der I a Op des F.d.S., Kptlt. Rebensburg. KAdm Breuning übergab den Briten die Karten der durch die S-Boote gelegten Minengebiete.

"S 205" beim Einlaufen Felixstowe am 13.05.1945 - Foto: Archiv Förderverein

Besatzung angetreten zum Einlaufen - Foto: Archiv Förderverein

"S 204" und "S 205" in Felixstowe - Foto: Archiv Förderverein

KAdm Breuning meldet sich beim Hafenkapitän Felixstowe - Foto: Archiv Förderverein

"S 112" hatte von St. Peter Port aus an dem Handstreich des VAdm Hüffmeier auf Granville am 07.02.1945 teilgenommen und war nach Abbruch der Aktion wieder in St. Peter Port eingelaufen. Mit nur einer einsatzbereiten Maschine konnte es am nächsten Tag nicht an der Operation teilnehmen und verlegte nach St. Lorient. An Bord waren sechs Heeresoffiziere darunter drei Bataillonskommandeure. Der Kommandant (Lt.z.S. Nikelowski) verunglückte im April tödlich. Das marode Boot blieb in St. Lorient liegen und wurde von der französischen Marine am 27.06.1951 zum Abwracken verkauft.  

Im letzten Kriegsjahr wurden sechs Schiffe versenkt mit zusammen 10.467 BRT. 

Die eigenen Verluste betrugen: 67 Gefallene, 20 Verwundete, 18 Gefangene. Es gingen 13 Boote verloren: "S 180" und "S 223" durch Minentreffer; "S 181", "S 186", "S 194" und "S 224" durch Bomben/Bordwaffenbeschuss; "S 176", "S 177", "S 193" durch/nach Artillerietreffer; "S 167", " S 199", "S 202" und "S 703" durch Kollision.

Interessant ist, dass die mit der angeblich sicheren "Enigma" verschlüsselten Funksprüche durch die britische Aufklärung nicht nur aufgefangen sondern auch entschlüsselt wurden, so dass der Gegner über die Bewegungen der S-Boote gut informiert war. Als Beispiele dienen folgende Sprüche:

Empfangszeit in England Text
12.04.1945 17:47 S-301 mit S-305, S-191, S-215, S-92 und S-48 verlegen von Wilhelmshaven nach Wesermünde um 19:00 Uhr. Fahrt 27 Knoten (Funkwache auf Nordsee-Kurz-Welle und S-Boot-Welle 1). Weiterfahrt nach Brunsbüttel um 22:30 Uhr mit S-196 und je einem Neubau im Schlepp. Fahrt 10 Knoten.
12.04.1945 22:15 S-48, S-82, S-191, S-211 und S-305 abgelegt Wilhelmshaven um 19:20 Uhr.
15.04.1945 06:18 Alle Boote fest in Wesermünde außer Neubau ??. S-316 02:30 Uhr. S-316 selbst versenkt auf Position 53o34,15‘ N/008o16,12‘ E, 17 m Wassertiefe, keine Behinderung der Schiffahrt.
16.04.1945 19:05 Ablegen Wesermünde nach Brunsbüttel um 19:30 Uhr mit S-301, S-306, S-215, S-191, S-95 und S-305 sowie 6 Neubauten. Fahrt 12 Knoten.

Die o.a. Enigma-Sprüche sind aus dem Archiv von Flemming Hansen.

Bei den angesprochenen Neubauten handelte es sich vermutlich um die Boote "S-314" bis "S-320", die nicht mehr in Dienst gestellt wurden. Davon ging "S-316" verloren. Der Verbleib der übrigen Boote ist ungeklärt. Möglicher Weise gingen sie zu Abeking & Rasmussen in Gammel Hestehauge bei Svendborg/Dänemark zur Fertigstellung der Ausrüstung. Davon wurden wahrscheinlich acht Boote am 06.05.12945 in der Lunkebucht/Dänemark selbstversenkt. 

   

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