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   Versuchs- und vom K-Verband entwickelte Schnellboote der KM

 Entwicklungen der KM

Gegen Ende des Krieges wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um neben dem Leichtschnellboot (LS-Boot) Klein-Schnellboote zu bauen.  

LS-Boot der KM - Foto: Archiv Förderverein

Die Tragflügelboote

Bereits 1932 bis 1935 arbeitete der Deutsche Dr. Tietjens in Amerika an Tragflügelbooten. 1932 brachte er ein Tragflügelboot von 6 m Länge und 240 kg Gewicht auf dem Delaware River auf 22 kn mit Hilfe eines 5 PS-Motors. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erzielte er 1939 mit einem 5,5 m Boot von 370 kg Gewicht eine Geschwindigkeit von 25 kn bei zwei Personen Zuladung und von 28 kn bei einer Person mit einem Antrieb durch einen 10-PS Otto-Motor. Bei seinen Konstruktionen befand sich etwa im Schwerpunkt des Bootes eine bogen- oder V-förmige Haupttragfläche unter dem Boot und ein achtern mitschiffs angebrachter Tragflügel übernahm die Rolle einer Stützfläche und Höhenruders.

Ab 1927 arbeitete Freiherr von Schertel an Tragflügelbooten. Sein Tragflügelsystem bestand in der Regel aus zwei V-förmig geformten Tragflächen vorn und achtern. 1936 erzielte Schertel mit dem achten gebauten und getesteten Boot den erwarteten Erfolg. Das mit einem 50-PS-Otto-Motor angetriebene Boot erreichte mit fünf Personen besetzt bei Testfahrten auf dem Rhein eine Geschwindigkeit von 29 kn.

Ab 1937 arbeitete Freiherr von Schertel mit der Firma Gebrüder Sachsenberg AG in Rosslau zusammen. Bereits 1938 ging aus dieser Zusammenarbeit das erste Schertel-Sachsenberg Tragflügelboot hervor. Das in Wiesbaden gebaute 9,5 m lange und 2,8 t schwere Passagierboot wurde von einem 150-PS-Otto-Motor angetrieben und erreichte eine Geschwindigkeit von 40 kn. Das Boot war bis 1945 im Einsatz.

Im Sommer 1939 erhielt die Sachsenberg-Werft den Auftrag für ein 100-t-Leichtmetall-Tragflügelschnellboot nach dem System Schertel. Bei Kriegsausbruch wurde dieser Auftrag allerdings storniert.

TS 1“ bis „TS 6“

Im Sommer 1940 erhielt die Sachsenberg-Werft dann allerdings einen Auftrag für 36 kleine Tragflächenboote von 3,8 t Verdrängung, die zur Überwachung der norwegischen Fjorde zum Einsatz kommen sollten. Der Auftrag wurde dann jedoch auf sechs Boote reduziert. Die Boote „TS 1“ bis „TS 5“ wurden auf Grund der Bauweise als Stahl-V-Spant-Stufengleitboote etwas schwerer als gedacht und verdrängten 4,9 t leer bzw. 6,3 t beladen. Sie waren 11,96 m lang und 2,7 m breit. Ihr Tiefgang war 1,7 m, bei Schwebefahrt 0,85 m. Der Antrieb erfolgte über einen 380-PS-Lorrain-Dietrich-Otto-Motor, der dem Boot eine Geschwindigkeit von 40 kn vermittelte. Das Boot war mit einem 15-mm-Luftwaffen-MG in Drehkranzlafette mit Plexiglas-Kuppel bewaffnet und mit vier Mann besetzt. Das Boot „TS 6“ wurde bis Kriegsende nicht fertiggestellt, da es im Auftrag des OKM umkonstruiert werden sollte. Statt der enorm langen Welle, bei der Schwingungen auftraten, sollte ein Kegelrad-Z-Getriebe zum Einsatz kommen. Das von den Russen erbeutete Boot wurde unter deren Aufsicht weitergebaut, erprobt und auf die Wolga verlegt.  

Deutsches Tragflügel-Schnellboot vom Typ "TS 1" – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

„VS 5“

Alle Nachfolgenden Tragflächenboote erhielten die Bezeichnung Versuchsschnellboote mit der Kurzbezeichnung „VS“. „VS 1“ bis „VS 4“ waren nicht ausgeführte Planungen, „VS 5“ war ein flutbares „Halbuntersee-Schnellboot“. Es sollte eine Geschwindigkeit von 50 kn erreichen bei einem Antrieb durch vier auf eine Welle wirkende 1500/2050-PS-MAN-11-Zylinder-Viertakt-Dieseln L 11 Zu. Als Bewaffnung waren zwei 20-mm-Maschinenkanonen und zwei 53,3-cm-Torpedorohre vorgesehen. Schon die ersten Erprobungen bewiesen, dass das Boot eine völlige Fehlkonstruktion war.

 

Deutsches halbtauchbares Klein-Schnellboot vom Typ "VS 5" – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

„VS 6“

Ende 1940 wurde der Sachsenberg-Werft der Auftrag erteilt, ein Versuchs-Tragflügel-Versuchsschnellboot „VS 6“ zu bauen. Es sollte ein schneller Minenleger werden mit der Ladekapazität für vier TMB-Minen, mit einer 20-mm-Maschinenkanone in Drehkranzlafette mit Plexi-Kuppel bewaffnet. Die Besatzung sollte vier Mann betragen. Das Boot hatte die Abmessungen Länge 15,74 m, Breite des Rumpfes 4,25 m, Breite über die Tragflügel 5,27 m, Tiefgang 2,3 m in Schwebefahrt 0,96 m. Angetrieben mit zwei 700-PS-Avia-V 36-Otto-Motoren auf zwei Wellenanlagen sollte das Boot 47 kn schnell sein. Der Fahrbereich bei Volllast sollte 300 sm betragen. Bei den Seegangserprobungen wurde festgestellt, dass der stählerne Rumpf zu schwach ausgelegt worden war. Mit einem entsprechend verstärkten Rumpf, dessen Vorschiffsbereich schlanker geformt war, diente das Boot bis Kriegsende der Erprobung verschiedener Tragflächenformen. Es wurde zu britischer Kriegsbeute.  

Deutsches Tragflügel-Schnellboot vom Typ "VS 6" – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

 

„VS 7“

Um Vergleiche zwischen den Schertel und den Tietjens-Tragflächen anstellen zu können, bekam Professor Tietjens den Auftrag ein in den Abmessungen dem „VS 6“ gleiches Boot zu bauen. Das Boot wurde als Knickspant-Stahlboot gebaut und erreichte eine Konstruktionsverdrängung von 17 t; war also 4,5 t schwerer als vorgesehen. Der Antrieb sollte über zwei 675-PS-Avia-Otto-Motoren erfolgen. Da sich der Bootskörper nicht leichter machen ließ, erhielt die Vertens-Werft in Schleswig 1942 den Auftrag mit gleicher Antriebsanlage ein neues Boot mit der gleichen Bezeichnung „VS 7“ zu bauen. Das Boot hatte die Abmessungen 14,00 m Länge, 3,95 m Breite und war aus speziellem Tapofilm-verleimten Pappelsperrholz von vorn 14 mm und achtern 12 mm Stärke gebaut. Es war ausgerüstet mit einer 20mm-Maschinenkanone in Drehkranzlafette mit Plexiglas-Kuppel und zwei 45-cm-Heck-Torpedorohren. Damit wog es beladen 15 t. Angetrieben wurde das Fahrzeug mit zwei 675-PS-Avia-Otto-Motoren und erreichte eine Geschwindigkeit von 54,5 kn. Die Besatzung bestand aus vier Mann. Das Boot wurde im Herbst 1942 fertiggestellt und ausschließlich zu Erprobungen in der Ostsee eingesetzt.  

Deutsches Tragflügel-Schnellboot vom Typ "VS 7" – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

 

„VS 8“ – „VS 9“

Im Herbst 1942 erhielt der Harburger Betrieb der Sachsenberg-Werft den Auftrag, zwei Groß-Tragflügel-Versuchsschnellboote zu bauen. Sie erhielten die Bezeichnung „VS 8“ und „VS 9“, nach ihrem geistigen Vater auch "Schell 1" und "Schell 2" genannt. Die Boote waren als Transportfahrzeuge für einen Panzer von 26 t für den Nachschub für das Afrika-Corps mit entsprechendem Eigenschutz gegen JaBos und hoher Geschwindigkeit gedacht. "VS 8" wurde in Harburg als Leichtmetall-Knickspant-Stufengleitboot gebaut. Bei einer Länge von 31,9 m, einer Breite des Rumpfes von 8,0 m (über Tragflügel 10,62 m) und einem Tiefgang von 4,25 m (in Schwebefahrt 2,0 m) hatte es ein Leergewicht von 70 t bei einer Zuladungskapazität von 28 t. Der Antrieb erfolgte durch zwei 2500-PS-Daimler-Benz-20-Zylinder-Diesel MB 511 auf zwei Wellenanlagen. Es sollte eine Geschwindigkeit von 41 kn im Dauerbetrieb und 45 kn im Kurzzeit-Höchstlastbetreib erreichen. Die Bewaffnung bestand aus vier 15-mm-Luftwaffen-MG in Drehkranzlafetten mit Plexiglas-Kuppeln. Die Besatzung bestand aus 22 Mann.  

Deutsches Tragflügel-Schnellboot "VS 8" auf dem Helgen – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

 Tragflügel-Schnellboot "VS 8" vor dem Abslippen – Bild: Archiv Förderverein  

Die Erprobungen ergaben, dass das Boot um 5 t schwerer war als vorgegeben, dass es nur 41 kn lief, da die vorgesehenen Motoren durch zwei 2000-PS MB 501 Diesel ersetzt worden waren, dass das Boot bei 1,8 m Wellenhöhe noch mit 37 kn gegen die See fahren konnte und dass auch trotz der verwendeten seewasserbeständigen Leichtmetalllegierung im Vorschiffsbereich durch das Spritzwasser starke Korrosionserscheinungen auftraten.

 

Deutsches Tragflügel-Schnellboot vom Typ "VS 8" bei der Erprobung – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Im September 1944 lief „VS 8“ im Sturm vor Hela auf Grund und musste aufgegeben werden.

„VS 9“ sollte statt der langen Welle ein Kegelrad-Z-Getriebe erhalten. Es blieb jedoch eine unvollendete Planung.

 

„VS 10“

Das OKM erteilte 1942 den Auftrag an die Sachsenberg-Werft, ein Tragflügel-Schnellboot mit der Bezeichnung „VS 10“ zu bauen. Es sollte bei einer Länge von 23,3 m, einer Rumpfbreite von 6,4 m (über Tragflügel 8,0 m) und einem Tiefgang von 3,3 m (bei Schwebefahrt 1,3 m) eine Verdrängung von 46 t haben, der Antrieb sollte aus vier 1500-PS-Isotta-Fraschini-ASM-185 Otto-Motoren bestehen und mit zwei Propellern eine Geschwindigkeit von 58 kn bei einem Fahrbereich von 300 sm bei 55 kn Fahrt erzielen. Die Bewaffnung sollte aus sechs 15-mm-Luftwaffen-MG in Drehkranzlafette mit Plexiglas-Kuppel und zwei 45-cm bzw. 53,3-cm Torpedorohren besten. Die Besatzung sollte aus 19 Mann bestehen. Das Boot wurde 1944 wenige Tage vor der Probefahrt durch einen alliierten Luftangriff in der Bauwerft zerstört.

 

Deutsches Tragflügel-Schnellboot vom Typ "VS 10" bei der Werft-Erprobung – Bild: Archiv R. Nordberg

Keines der mit viel Aufwand entwickelten und gebauten Tragflügel-Schnellboote ist jemals in den Fronteinsatz gekommen.    

 

Die konventionellen Kleinschnellboote

Typ SMA

Ab Mai 1944 wurde in Deutschland das italienische Klein-Schnellboot Motoscafo Turismo Silurante Modificato Allargato (M.T.S.M.A. oder kurz SMA) aus Italien bezogen bzw. nachgebaut. Das Boot hatte eine Länge von 8,8 m, eine Breite von 2,32 m und einen Tiefgang von 0,7 m. Bei einer Verdrängung von 3,71 t wurde es mit eine Antriebsanlage aus zwei 95-PS Alfa-Romeo-A.R.-6c-2500-Otto-Motoren und eine Bewaffnung mit einem 45-cm Hecktorpedorohr und zwei 70 kg Verfolger-Abwehr Wasserbomben ausgestattet.  Die erreichte Geschwindigkeit betrug 29 kn bei einem Fahrbereich von 250 sm. Von diesem Typ wurden in Deutschland von Mai 1944 bis Januar 1945 insgesamt 78 Boote gebaut.

Deutsches Klein-Schnellboot vom italienischen Typ SMA – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

 

Typ „Hydra“

Das Kleinschnellboot Typ „Hydra“ war ein gemeinsam entwickelter Entwurf des OKM und der Krögerwerft in Warnemünde für die Luftwaffe. Der Entwurf geht zurück auf einen Bootstyp, der für die Luftwaffe zur Verbringung mit Lastenseglern vorgesehen war, aber zurückgestellt wurde. Am 25.08.1944 wurde Bauauftrag für zwei Prototypen erteilt. Die Boote „H 1“ und „H 2“ hatten bei einer Länge von 13,21 m Länge, einer Breite von 3,1 m und einem Tiefgang von 1,05 m eine Verdrängung von 7,45 t. Sie erhielten einen Avai-Hispano-Suiza Otto-Motor 12 y 31 gedrosselt auf 650 PS. Damit wurde eine Geschwindigkeit von 36 kn erzielt. Es gab kein Wendegetriebe sondern nur Vortrieb oder Leerlauf. Die Fahrstrecke betrug 290 sm bei 25 kn, bei 36 kn betrug sie 152 sm. Die Bewaffnung bestand aus zwei 45-cm Hecktorpedorohren für den Flugzeugtorpedo F 5 b. Über den Einsatz dieser Boote liegen keine Erkenntnisse vor.

Klein-Schnellboot „Hydra“ bei Seeversuchen – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Bei dem Boot „H 53“ wurden Versuche mit einem Jumo-Otto-Motor durchgeführt. Die erzielte Geschwindigkeit betrug nur 34 kn. Daher wurden die Versuche aufgegeben. Am 04.12.1944 wurde eine Serie von 50 Booten in Auftrag gegeben. Eine weitere Serie aus 115 Booten wurde am 08.02.1945 in Auftrag gegeben. Die Bauwerften waren über ganz Norddeutschland verteilt. Die Boote dieser beiden Serien sollten für den Eigenschutz ein Fla-MG erhalten. Der Kraftstoffvorrat wurde auf 1400 Liter erhöht, um den Fahrbereich zu vergrößern. Während des Baus wurden drei Waggons mit Rolls-Royce-Merlin-Motoren geliefert, die aber nicht mehr zum Einbau kamen, so wie auch insgesamt nur 39 Boote bis Kriegsende fertig wurden. Über den Einsatz der Boote liegen keine Erkenntnisse vor.

In der Planung stecken geblieben war die Idee des Ingenieurs Driesen, zwei „Hydra“-Rümpfe durch Streben miteinander zu verbinden und diesen mit 4 Torpedorohren ausgestatteten Katamaran mit Hilfe eines Strahltriebwerks des Messerschmitt-Turbinenjägers auf 60 kn zu bringen.

 

Typ „Kobra“

Der Typ „Kobra“ war ein Entwurf von Ober-Ingenieur H. Docter, der auf Grund einer Ausschreibung erfolgt war. Das Boot sollte als autonomes Kleinschnellboot oder als von größeren Schiffen aus einsetzbares Fahrzeug genutzt werden können. Es hatte die Abmessungen Länge 8,72 m, Breite 2,5 m und Tiefgang 0,56 m. Es verdrängte 3,46 t und war mit einem 45-cm Hecktorpedorohr für den Torpedo F 5 b ausgestattet und sollte mit zwei 90 PS Ford-8-Zyllinder-Otto-Motoren mit zwei Wellenanlagen auf eine Geschwindigkeit von 29 kn gebracht werden.

Klein-Schnellboot Typ „Kobra“ – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Nach Abschluss von vergleichenden Erprobungen mit anderen Kleinschnellbootstypen wurde der Typ „Kobra“ nicht weiterverfolgt.

Ein Entwurf für ein Kleinschnellboot von 10,6 m Länge, 3,2 m Breite und einem Tiefgang von 0,55 m war mit zwei seitlichen Abwurfrahmen für den 45 cm Flugzeugtorpedo F 5 b vorgesehen. Das 7,65 t verdrängende Boot sollte mit einem Antrieb von zwei Hispano-Suiza-Otto-Motoren 12 y 31 etwa 37 kn erreichen. Der Entwurf wurde nicht abschließend durchgearbeitet.  

 

Typ „KS“

Die von der Lürssen-Werft in Zusammenarbeit mit Ministerialrat Dyckmann entwickelten Schnellboote mit Abmessungen von 15,95 m Länge, 3,5 m Breite und einem Tiefgang von 1,1 m wurden in erster Linie als Küstenminenleger („KM“) eingesetzt. Der Antrieb der 19 t verdrängenden Boote bestand aus zwei nicht umsteuerbaren 550/650 PS BMW 12-Zylinder-Viertakt-Otto-Flugzeugmotoren, die den Booten Geschwindigkeiten von unbeladen 30 bis 32 kn, beladen 24 kn, verliehen. Die Boote erhielten zwei 15-mm-Luftwaffen-MG.

Klein-Schnellboot Typ „KM“ als Küstenminenleger – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

Die ersten Boote wurden 1942 fertiggestellt. Vier Boote wurden in den Finnenbusen verschifft, ebenso wurden Boote in das Schwarze Meer verschifft. Anfang 1944 wurden acht Boote zunächst der Donau-Flottille zugeteilt, dann aber Mitte 1944 an Kroatien übergeben. Sie erhielten dort die Bezeichnung “KS 1“ bis „KS 8“. „KS 8“ brannte aus, „KS 5“ desertierte zu den Partisanen. Die übrigen Boote wurden am 13.12.1944 von der Kriegsmarine zurückgenommen.

Ab Sommer 1944 wurde ein Teil der KM-Boote mit zwei 45-cm Leichtmetalltorpedorohren und einer 2-cm Maschinenkanone ausgerüstet und als „Küstenschnellboote“ („KS“-Boote) bezeichnet. Die „KS-Boote hatten die Nummer 1, 2, 9, 10, 11, 12, 16, 17, 18, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 31, 32, 33, 34, 35 und 36. Das Schicksal und der Verbleib der „KS-Boote“ ist nicht nachvollziehbar.

Klein-Schnellboot Typ „KS“ mit zwei Hecktorpedorohren – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2  

 

Entwicklungen der K-Verbände

Innerhalb des Kleinkampfmittel-Verbandes (kurz: K-Verband) wurden beachtenswerte Klein-Schnellboote entwickelt. Der Leiter der Konstruktions- und Erprobungsabteilung des Verbandes, Oblt.z.S. d.R. Fr. H. Wendel, machte auf einer behelfsmäßigen Versuchsanlage bei Boizenburg an der Elbe Modell-Schleppversuche, um die grundsätzliche Frage zu klären, ob konventionelle oder völlig neuartige Formen für die Bootskörper genutzt werden sollten. Exakte Vermessungen konnten auf der behelfsmäßigen Anlage nicht vorgenommen werden aber immerhin war eine vergleichende Wertung möglich. Es wurden sowohl stufenlose Gleitboote als auch Stufengleitboote, Katamaran-Gleiter und ein auf vier Gleitflächen laufendes Boot nach einer Idee von Prof. Wankel getestet.

 

Typ „Schlitten I“

In Erwartung der alliierten Invasion in Nordfrankreich wurden bei den Borgward-Werken in Bremen spantenlose Kleinschnellboote in Stahlblech-Schalenbauweise gefertigt. Das Fahrzeug war als Ein-Mann-Boot mit Hilfe von Karosseriepressen schnell und in großen Stückzahlen zu bauendes Gerät konzipiert. Es hatte eine Länge von 7,50 m, eine Breite von 1,60 m und einen Tiefgang von 0,55 m.

„Schlitten I“ beim Aussetzen in sein Element – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Zwei Standard-Torpedos G 7 a bzw. G 7 e konnten in zwei Ausnehmungen im Bootskörper mitgeführt werden. Ein 90 PS Otto-Motor wurde für den Antrieb genutzt. Damit erzielte man für das Boot mit Torpedos bei ausschließlich eigenem Antrieb bei den Testfahrten des Prototyps 12 kn Fahrt. Für den Angriff konnten die Torpedos gestartet und für den Antrieb des Bootes genutzt werden. Damit wurden 25 kn Fahrt erzielt. Das Boot ohne Torpedos konnte mit 18 kn fahren. Der Fahrbereich bei Marschfahrt betrug 300 sm.

„Schlitten I“, G 7 a in den seitlichen Ausnehmungen, dazwischen Wellenanlage und Ruder – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Die positiven  Erfahrungen mit diesem Typ, die während der Erprobungen gemacht wurden, führten bei den geringen Abmessungen und der geringen Antriebsleistung dazu, dass man ein seegängigeres größeres Boot mit stärkerem Antrieb plante aber bei der Konstruktionsbauweise des „Schlitten I“ blieb.

Klein-Schnellboot Typ „Schlitten I“ bei voller Fahrt – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

 

Typ „Schlitten II“

Das aus dem „Schlitten I“ weiterentwickelte Boot „Schlitten II“ hatte eine Länge von 8,5 m, eine Breite von 1,70 m und einen Tiefgang von 0,55 m. Das Boot erhielt einen 600 PS Otto-Flugzeugmotor und erreichte damit mit Torpedos 20 kn Dauergeschwindigkeit. Die Höchtsgeschwindigkeit mit Torpedos betrug 30 kn und nach Verschiessen der Torpedos konnte es mit 48 kn ablaufen. Dem Eigenschutz diente ein MG 34 bzw. MG 44. Der Fahrbereich betrug 300 sm.

„Schlitten II“ auf dem eigens dafür entwickelten Transportwagen – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Die Besatzung bestand aus dem Bootssteurer und dem Motorenwärter von der Luftwaffe, da die Marine für diesen Höchstleistungsmotor nicht ausbildete.

Bei den Probefahrten stellte sich heraus, dass das Boot durch die Propellerwirkung stark krängte, was erst bei höherer Fahrt durch die stärkere Strömungswirkung am Fahrzeugboden aufgehoben wurde.

 

Typ „Wal I“

Anfang ‚August 1944 entwickelte der K-Verband auf der Basis von Modellversuchen ein 9-m-Stufenboot. Dieses Boot erhielt den Namen „Wal I“. Der Rumpf bestand aus vollverschweißtem Stahl und hatte eine Breite von 2,3 m und einen Tiefgang von 0,40 m (ohne Propeller). Das 4,2 t verdrängende Boot erhielt einen 700 PS Otto-Flugzeugmotor, der das Boot auf eine Geschwindigkeit von 39 kn mit Torpedos und ohne Torpedos von 42 kn brachte. Der Fahrbereich betrug 300 sm. Da die herkömmlichen Torpedorohre für das Boot zu schwer waren wurde eine Eigenkonstruktion mit Pulverkartusche für das Abfeuern der Torpedos entwickelt.

Klein-Schnellboot Typ „Wal I“ – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

Als Bewaffnung dienten zwei 45-cm-Hecktorpedorohre für den Flugzeugtorpedo F 5 b, ein 13-mm-MG und zwei 86-mm-Raketenwerfer. Die Besatzung bestand aus einem Bootssteurer und einem Motorenwärter von der Luftwaffe.

 

Typ „Wal II“

Das das OKM den Typ „Wal I“ als Stufengleiter wegen begrenzter Seefähigkeit und möglicher Festigkeits- und Dichtigkeitsprobleme ablehnte, wurde der stufenlose „Wal II“ entwickelt. Er hatte eine Länge von 10,00 m. Das Boot wurde in Boizenburg gebaut. Der 700-PS Otto-Flugzeugmotor brachte das Boote auf 38 kn mit Torpedos und auf 42 kn ohne Torpedos. Die Bewaffnung bestand wie bei „Wal I“ aus zwei 45-cm Hecktorpedorohren, einem 13-mm MG 34 bzw. MG 44 und zwei 86-mm Raketenwerfern. Der Raketenwerfer konnte Spreng-, Splitter, Fallschirm- und Nebelmunition verschießen.

Ds Boot konnte direkt vom rückwärts ins Wasser gefahrenen Transport-Anhänger ins Wasser gelassen werden.

 

Kleinschnellboot Typ „Wal II“  – Bild aus Fock Schnellboote Bd. 2

 

Typ „Wal III“

Wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit von Stahl wurde der Typ „Wal“ erneut umkonstruiert. Es entstand der Typ „Wal III“, der in konventioneller Holzbauweise gefertigt wurde. Alle gemachten Erfahrungen bei den Vorgängertypen wurden mit einbezogen. Die Besatzung wurde auf drei bis vier Mann erhöht, um bei An- und Abmarsch eine Ablösung zu ermöglichen. Als Antriebsmotoren wurden alternativ 600-PS bzw. 800-PS Otto-Flugzeugmotoren vorgesehen. Dadurch erreichte das Boot eine Geschwindigkeit von 35 bzw. 39 kn mit Torpedos und 38 bzw. 42 kn ohne Torpedos.

 Beim Typ „Wal III“ wurden von der Luftwaffe beschaffte Starthilfsraketen getestet, um dem Boote eine höhere Ablaufgeschwindigkeit nach erfolgtem Torpedoschuss zu ermögllichen. Die Geschwindigkeit konnte zwar auf 58 kn erhöht werden und die Abgase der Rakete wirkten wie eine rot-braune Nebelwand. Die Erprobungen ergaben aber, dass das Boot sich nicht mehr gut auf Kurs halten ließ und sogar kenntern konnte. Daher wurden diese Versuche eingestellt. Der Serienbau des Typs „Wal“ erfolgte nicht, da das OKM sich nach den Vergleichstests für den Typ „Hydra“ entschieden hatte.  

 

Projekte des K-Verbandes

Eine große Anzahl von Planungen des K-Verbandes unter anderem auch die verschiedensten Tragflächenboote blieben auf Grund der Entwicklung des Krieges liegen und wurden erst nach dem Kriege weiterverfolgt.

 

 

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