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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Schwarzes Meer 1943

 Die erste Aufgabe des Jahres war das Fahren von Vorposteneinsätzen, da das Heer eine Landung im Raum Feodosija befürchtete. Bis zum 27.01.1943 wurden diese Einsätze von schlechtem Wetter geprägt. Die Vereisung der Kerč-Straße brachte zusätzlich eine Einschränkung der Operationsfreiheit. Zu diesem Zeitpunkt waren bei der 1. SFltl drei Boote - "S 26", "S 51", "S 102" - KB. Die über die Donau im Anmarsch befindlichen Boote "S 40" und "S 52" hatten ebenfalls Eisprobleme und lagen fest.

Am 04.02.1943 erfolgte die erwartete Landung der Sowjets bei Novorossijsk. Wegen des heftigen Abwehrfeuers konnte nur ein Teil der Landungstruppen an Land gehen und wurde bis zum 06.02.1943 aufgerieben. Eine Nebenlandung bei Kap Myšako gelang und bis zum 09.02.1943 konnten 17.000 Mann dort anlanden.

Die drei S-Boote der 1. SFltl waren die einzigen Einheiten, welche die Kriegsmarine aufbieten konnte. Die meisten Einsätze verliefen ergebnislos, weil keine Ziele in Sicht kamen oder die Torpedoschüsse fehlgingen. Am 16.02.1943 fiel auch noch "S 26" aus, das mit einem Holzbalken kollidierte und zum Schraubenwechsel nach Konstanza musste. Am 20.06.1943 stießen "S 26" und "S 47" von Konstanza kommend zur Flottille.

S-Boote in einem Schwarzmeer-Hafen - Foto: Archiv E. Skjold

Schlechtes Wetter behinderte die Operationen der 1. SFltl bis sie am 27.02.1943 wieder Versenkungserfolge melden konnte (ein Torpedoboot, zwei Dampfer (zus. 4.700 BRT) und ein Küstenfahrzeug). In Wirklichkeit waren es das Minensuchboot "Gruz" (Fugas-Klasse, 441 t), das Kanonenboot "Krasnaja Gruzija" (1.100 t) sowie das Küstenfahrzeug "Racija".

Am 01.03.1943 bestand die 1. SFltl (KKpt Stuhr-Christiansen) aus den Booten: "S 26" (Kptlt. Fimmen), "S 28" (Oblt.z.S. Künzel), "S 47" (Oblt.z.S. Schlenzka), "S 51" (Kptlt. Büchting), "S 72" (Oblt.z.S. Schneider, W.), "S 102" (Lt.z.S. Lutherer). Durch Tauwetter kamen "S 40" und "S 52" bei Braila aus dem Donau-Eis frei. "S 42", "S 45" und "S 46" waren auf dem Weg nach Linz zur Instandsetzung.

Bis Mitte April verliefen fast alle Einsätze ergebnislos, weil die Sowjets ihren Nachschubverkehr nahezu ausschließlich tagsüber laufen ließen. Es wurden lediglich zwei kleinere Küstenfahrzeuge versenkt.

Am 18.04.1943 verlegte die 1. SFltl  mit fünf  Booten zusammen mit sieben Booten der italienischen Flottille nach Anapa, um von dort den Nachschub für den Brückenkopf bei Kap Myšako zu bekämpfen. Am 22.04.1943 wurde  ObLt.z.S. Büchting das Ritterkreuz verliehen.

 

Bis Ende April fuhren die Boote jede Nacht Einsätze und lieferten sich diverse Gefechte mit sowjetischen Bewachern, in deren Verlauf die Wachboote "MK-054" "MK-058" versenkt, die Landungspiers beschossen und stark beschädigt und mehrere Küstenfahrzeuge versenkt wurden. 

Boote der 1. SFlt im Schwarzen Meer - Foto: Archiv E. Skjold

Auch im Mai waren die S-Boote fast jede Nacht im Einsatz, fanden aber tagelang keine Ziele. Dennoch gelang die Versenkung des Schoners "Ilič",  von vier Küstenfahrzeugen mit zusammen 2.200 BRT und von zwei Leichtern von zusammen 900 BRT sowie des Schleppers  "CF-6 Pervans". Bei den meisten Einsätzen kam es zu Gefechten mit Bewachern oder S-Booten ohne besondere Erfolge. Mehrfach wurden die Boote unter der Küste von Scheinwerfern erfasst und von Küstenbatterien beschossen. Am Morgen des 20.05.1943 wurden die heimkehrenden Boote laufend von sowjetischen Flugzeugen angegriffen, dabei wurden "S 49" und "S 72" beschädigt und mussten aKB gemeldet werden.

Am 20.05.1943 ging die italienische Flottille in Feodosija in deutschen Besitz über. Sie bekam die Bezeichnung 11. SFltl (Kptlt. Meyer, H.J.). Ihm unterstanden: 1. Gruppe: "S 503" (ex "MAS 568") Kmdt.: Oblt.z.S. Wülfing, "S 502" (ex "MAS 567") Kmdt.: StObStrm. Maniel, "S 505" (ex "MAS" 570) Kmdt.: ObStrm. Svoboda, "S 506" (ex "MAS 574") Kmdt.: ObStrm. Gurke; 2.Gruppe: "S 504" (ex "MAS 569") Kmdt.: Oblt.z.S. Schay, "S 501" (ex "MAS 566") Kmdt. StObStrm. Wernicke, S 507 (ex MAS 575) Kmdt: StObStrm. Köplin. S 506 (ex MAS 574) war durch einen Bombentreffer schwer beschädigt.

Wegen des schlechten Seegangsverhaltens waren die Boote für die deutsche Schnellbootwaffe im Schwarzen Meer kein besonderer Zugewinn. 

Im Juni unternahm die 11. SFltl Aufklärungsfahrten. Bei U-Bootjagd geriet sie in ein Gefecht mit vier sowjetischen Motorkanonenbooten, konnte sich der artilleristisch überlegenen Gegner aber entziehen. 

Die 1. SFltl stieß in den meisten Nächten gegen die Kaukasusküste vor. Bei einem Einsatz am 09.06.1943 schossen vier Boote ihre Torpedos gemeinsam in die Bucht bei Kap Myšaki und zerstörten ein Küstenfahrzeug (500 BRT) und einen Leichter (300 BRT) sowie die Anlegebrücken.

In der Nacht 28./29.06.1943 legte die 1. SFltl Minen vor der Bucht von Gelenčik. Dabei wurden die Boote von Landscheinwerfern beleuchtet und von Flugzeugen angegriffen, wurden jedoch nicht getroffen.

Am 01.07.1943 kollidierte "S 40" während eines Gefechtes mit "R 33" und wurde so stark beschädigt, dass es für längere Zeit in die Werft musste. In der gleichen Nacht zum 08.07.1943 lief "S 102" (Lt.z.S. Lutherer) in der Kerč-Straße auf eine Mine und musste aufgegeben werden. Dabei fielen acht Besatzungsangehörige. 

Ansichten des von Tauchern in der Kerč-Straße gefundenen S 102 - Fotos: A Makarow

Seemannsgräber in Iwan Baba - Foto: Archiv P. v. Glasenapp

Am 26.07.1943 meldeten "S 51" und "S 26" die Versenkung eines Küstenfrachters und eines Leichters vor Kap Myšako, in Wirklichkeit versenkten sie die schwimmende Batterie No. 627.

Anlegen "S 47" in einem Schwarzmeerhafen noch mit altem Brückenhaus - Foto: Archiv Jürgens

In den Einsätzen des Juli 1943 vor Tuaspe und Novorossijsk versenkten die Boote der 1. SFltl drei Küstenfrachter, ein Kanonen- und ein Schnellboot.

In der Nacht 02./03.08.1943 beschossen der sowjetische Kreuzer "Krasny Krim" und drei Zerstörer Iwan Baba. In diesen Verband stießen die S-Boote "MAS 573" (Oblt.z.S. Ramboni) und "MAS 568" von der 19. MAS-Flottille. "MAS 573" traf den Kreuzer am Heck, "MAS 568" den Zerstörer "Gniewny", der explodierte und sank. Der Kreuzer erreichte mit Mühe den Hafen von Tuaspe, kam aber nie wieder in Fahrt.  

Am 10.09.1943 landete die Rote Armee in der Stadt Novorossijsk. Sechs Tage später musste die Stadt geräumt werden. Am 11.09.1943 griffen sowjetische Schlachtflieger die heimkehrenden Boote der 1. SFltl an. Sie stießen unbeeindruckt vom Abwehrfeuer auf 10 m herab und feuerten aus Bordwaffen. Auf "S 46" fielen alle Maschinen aus, der Torpedo im Bb-Rohr detonierte und riss das Vorschiff bis zur Brücke ab. Trotz der fortgesetzten  Angriffe ging "S 49" längsseits und übernahm die z.T. schwer verwundeten Besatzungsmitglieder und zwei Gefallene. Das Boot wurde mit einem Torpedo selbst versenkt.

Schlechtes Wetter bzw. helles Mondlicht verhinderte bzw. behinderte in den nächsten Nächten die Einsätze der S-Boote. Die 1. und der 11. SFltl führten wieder Vorpostendienst durch, da das Heer eine Landung in seinem Rücken fürchtete. Die Boote fuhren südlich von Anapa Suchstreifen bis die Stadt am 21.09.1943 im Rahmen der Absetzbewegungen aufgegeben wurde. 

Am 28.09.1943 beschossen vier Boote der 1. SFltl Schiffe an der Mole von Anapa. Getroffen wurden zwei Minenräumboote,  eine Motorbarke und ein Wachboot. Die Mole wurde beschädigt. 

Die 11. SFltl wurde wegen ständiger Motorenprobleme und Ersatzteilmangels am 30.09.1943 aufgelöst. Das freiwerdende Personal wurde für die in der Ägäis aus erbeuteten italienischen S-Booten aufzustellende 24. SFltl abgezogen. "S 501", "S 506" und "S 507" wurden der 1. SFltl unterstellt aber bereits am 05.10.1943 in Feodosija außer Dienst gestellt.  Die aKB-Boote verlegten nach Nikolaev, dort wurde "S 505" außer Dienst gestellt. Die anderen vier Boote gingen zur Instandsetzung nach Linz. 

"S 47" im Schwarzen Meer nach Umbau Brückenhaus - Foto: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel

 In der Nacht 05./06.10.1943 erfolgte ein Vorstoß von sowjetischen Zerstörern gegen die Südküste der Krim und gegen die deutschen Räumungstransporte. "S 28", "S 42" und "S 45" griffen den Verband an und verhinderten trotz eines Treffers auf "S 45" einen Angriff auf den deutschen Schiffsverkehr. Die Luftwaffe kam mit vier Angriffswellen zur Hilfe und vernichtete alle drei sowjetischen Zerstörer.

Bis zum Ende der am 12.09.1943 begonnenen Räumung des Kuban-Brückenkopfes  am 09.10.1943 gelang es mit allen verfügbaren Fahrzeugen 239.669 Soldaten, 16.311 Verwundete, 27.456 Zivilpersonen und 115.477 t Versorgungsgüter, 21.2320 Kfz, 27.741 bespannte Fahrzeuge, 74 Panzer, 1.815 Geschütze, 74.657 Pferde und 6.255 Rinder zu evakuieren. Die 1. SFltl, die 3. R-Fltl und Artillerieträger übernahmen die Sicherung.

Am 28.10.1943 erhielt die 1. SFltl den Befehl, Iwan Baba zu räumen. Als alle Anlagen zerstört waren und alle Waffen und sonstiges Gerät verladen war und die Boote im Begriff waren auszulaufen, wurde der Befehl widerrufen.

In der ersten Novemberhälfte kam es zu mehreren Gefechten mit sowjetischen Einheiten. In der Nacht 03./04.11.1943 explodierte "TK-101" durch einen Volltreffer, "TK-81" konnte entkommen. In der Nacht 07./08.11.1943 versenkte die 1. SFltl aus einem Verband aus drei Wachbooten, vier Minenräumbooten und vier anderen Fahrzeugen heraus das Wachboot 0122 mit dem Verbandsführer an Bord. Am 11.11.1943 versenkte die 1. SFltl ein Motorkanonenboot durch Torpedotreffer.

Mitte November waren in Iwan Baba einsatzbereit: "S 26", "S 28", "S 42", "S 45", "S 47", "S 49", "S 51" und "S 72". "S 40" lag nach der Kollision mit "R 33" noch immer in der Werft, die angekündigten sechs Boote als Verstärkung aus der Heimat ließen auf sich warten, "S 131", "S 149" und "S 148" liefen erst im Oktober bzw. November vom Stapel. Sie wurden erst am 01.04.1945 einsatzbereit.

"S 28" vor Iwan Baba im Schwarzen Meer - Foto: Aus dem Nachlass Kpt.z.S. Künzel

In der zweiten Novemberhälfte richtete sich der Einsatz gegen den sowjetischen Brückenkopf bei Kerč. Am 17.11.1943 kam es zu einem Gefecht mit den  sowjetischen Schnellbooten "TK-76", "TK-86" und "TK-104". "TK-76" kehrte nicht in den Hafen zurück, die beiden anderen Boote wurden beschädigt.

Am 13.11.1943 wurde KKpt. Christiansen mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet.

KKpt. Georg Stuhr Cristiansen - Foto: Archiv Behrens

 Am 21.11.1943 schoss die Flottille zwei Landungsfahrzeuge in Brand und drängte acht weitere nach Osten ab, so dass sie ihre Landung nicht durchführen konnten. 

Am 12.12.1943 wurde Oblt.z.S. Künzel für über 200 Feindfahrten mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Oblt.z.S. Karl Friedrich Künzel - Foto: Archiv Künzel

Die 1. SFltl hatte 88 Einsätze gegen den Schiffsverkehr unter der kaukasischen Küste, drei Mineneinsätze, 50 Einsätze zur Sicherung eigener Geleite sowie 24 Einsätze gegen sowjetische Landeoperationen in der Kerč-Straße durchgeführt. Dabei wurden als versenkt gemeldet:

Ein Torpedoboot [Minensucher], ein Schnellboot, drei Motorkanonenboote, drei Landungsboote, ein Tanker (4.000 BRT) [Kanonenboot], drei Frachter (5.700 BRT), 19 Küstenfrachter (8.100 BRT) und 15 Leichter (8.200 BRT); zusammen geschätzt 29.000 BRT.

Verloren gingen "S 102" durch Minentreffer in der Kerč-Straße und "S 46" durch Bombentreffer vor Feodosija.

 

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