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S-Boote in der Kriegsmarine 1935 - 1945

Die Kriegschauplätze der S-Boote

 

Englischer Kanal 1941, 1. Halbjahr

Zu Beginn des Jahres 1941 umfasste die Schnellbootwaffe die 1., 2. und 3. SFltl sowie die im Aufbau befindliche 4. SFltl:

1. SFltl

1. SFltl Kptlt. Birnbacher
S 26 Oblt.z.S. Fimmen
S 27 Oblt.z.S. Büchting
S 28 Oblt.z.S. Klug
S 29 Oblt.z.S. Frhr. von Mirbach
S 101 Oblt.z.S. Stuhr-Christiansen
S 102 Oblt.z.S. Töniges

2. SFltl

2. SFltl KorvKpt. Petersen
S 30 Oblt.z.S. Feldt
S 33 Lt.z.S. Popp
S 34 Oblt.z.S. Obermaier
S 36 Oblt.z.S. Babbel
S 55 Oblt.z.S. Opdenhoff
S 56 Oblt.z.S. Meentzen
S 201 Oblt.z.S. Roeder
S 202 Lt.z.S. Howaldt

3. SFltl

3. SFltl Kptlt. Kemnade
S 54 Lt.z.S. Wagner
S 57 Lt.z.S. Erdmann
S 58 Lt.z.S. Geiger
S 59 Lt.z.S. Haag
S 60 Oblt.z.S. Wuppermann

4. SFltl

4. SFltl Kptlt. Bätge
S 11 Lt.z.S. Lüders
S 22 Oblt.z.S. Priebe
S 24 Lt.z.S. Stöve
S 25 Lt.z.S. Schneider

 

Januar und Februar 1941 waren gekennzeichnet durch schwere Winterstürme, so dass die Boote nur zu sechs Einsätzen kamen. Am 07.01.1941 konnte "S 101" den britischen Frachtdampfer "H.H.Petersen" (975 BRT) versenken. Am 06.02.1941 versenkte "S 30" den britischen Frachtdampfer "Angularity" (501 BRT). Am 12.02.1941 versenkte "S 102" den britischen Frachtdampfer "Algarve" (1355 BRT) aus einem Konvoi heraus - es hatte die Versenkung von einem Frachter von 6000 BRT und eines Tankers von 4000 BRT gemeldet. "S 101" und"S  28" meldeten Fehlschüsse. Beim Einlaufen  in Ijmuiden hatte "S 39" eine Grundberührung.

Nach Ende der Eisgefahr auf der Schelde verlegte die 3. SFltl von Ostende nach Rotterdam. Am 25.02.1941 versenkte "S 30" vor Lowestoft den Geleitzerstörer der Hunt-Klasse (907 t) "Exmoor", woraufhin das Geleit Kurs änderte, so dass weder die 2. noch die 3. SFltl zu weiteren Torpedoschüssen kam. Die 1. SFltl operierte weiter nördlich und "S 28" konnte den britischen Frachtdampfer "Minorca" (1123 BRT) durch Torpedoschuss versenken.

Am 26.02.1941 trafen die Boote "S 36" und "S 55" bei der 2. SFltl ein, so dass sie nun über vier einsatzbereite Boote verfügte.

Anlegen in Rotterdam bei leichtem Eis - Foto: Archiv Förderverein

Die 3. SFltl erhielt durch "S 61" (Oblt.z.S. von Gernet) und "S 31" (Oblt.z.S. Meyer) Verstärkung.

 Das schlechte Wetter verhinderte jeden Schnellbootseinsatz vor dem 04.03.1941. Am Abend liefen die Boote "S 33", "S 36", "S 55" und "S 30" aus und gingen auf der Konvoi-Route auf Lauerstellung.  die sieben von "S 30" und "S 55" auf britische Zerstörer geschossenen Torpedos gingen alle fehl. Auch die 1. SFltl war mit den Booten "S 26", "S 27", "S 28", "S 29", "S 39","S 101" und "S 102" in See ebenso wie die 3. SFltl mit den Booten "S 31", "S 54", "S 58", "S 59", "S 60" und "S 61". Erfolge konnten keine gemeldet werden.

Am 07.03.1941 griffen alle drei Flottillen mit zusammen 16 Booten den Konvoi-Verkehr an der englischen Südostküste an. "S 101" versenkte  aus dem Konvoi  auf Nordkurs den britischen Frachtdampfer "Norman Queen" (957 BRT), "S 28" den Frachter "Corduff" (2345 BRT), "S 27" versenkte den Frachter "Rye" (1049 BRT) und "S 29" traf den Frachter "Dotterel" (1048 BRT), so dass er aufgesetzt werden musste aber nicht mehr zu bergen war.

 Die 3. SFltl glaubte in zwei Anläufen zwei Zerstörer versenkt zu haben, "S  31" versenkte aber den Frachtdampfer "Kenton" (1047 BRT) und "S 61" traf den Frachter "Boulderpool" (4805 BRT), der zwar noch auf Grund gesetzt werden aber nicht mehr geborgen werden konnte. "S 102" versenkte aus dem Gegenkonvoi FS.29 den Frachtdampfer "Togstone" (1547 BRT), den Töniges als 6000 Tonner gemeldet hatte. 

Die drei Flottillen glaubten, in dieser Nacht zwei Zerstörer und sechs Frachter mit zusammen 28.000 BRT versenkt zu haben, es waren sieben Frachter mit 13.134 BRT. Ein bis dahin unerreichter Erfolg.

Am Nachmittag des 09.03.1941 ging die 2. SFltl mit den Booten "S 33", "S 41", "S 30" und "S 55" in See, um gegen einen Konvoi aus 15 Schiffen vorzugehen. "S 33" sichtete einen Schatten, den "S 41" anzugreifen versuchte aber im Feuer des Zerstörers abdrehen musste. Die Flottille konnte am Morgen des 10.03.1941 unbeschadet in Ostende festmachen.

Auch die 1. SFltl mit "S 26", "S 27", "S 28", "S 29", "S 39", "S 101" und "S 102" war in dieser Nacht in See, wobei "S 26" und "S 102" nach Fehlschüssen auf zwei Zerstörer von diesen gejagt wurden ohne Schäden zu nehmen. 

Am 11.03.1941 fuhr die 1. SFltl einen Einsatz gegen den Konvoi FS.32. "S 28" versenkte am das britische Motorschiff "Trevethoe" (5257 BRT). Die anderen Boote der Flottille hatten 8 Fehlschüsse abgegeben. Sie wurden von Zerstörern hartnäckig verfolgt und beschossen.

Am selben Tag wurde Kptlt. Klug als 5. Offizier der S-Bootwaffe das Ritterkreuz verliehen. 

Am 14.03.1941 gingen alle drei Flottillen in See, die 1. und die 3. SFltl jeweils mit sechs, die 2. SFltl mit vier Booten. In der hellen Mondnacht wurde alle Angriffsversuche frühzeitig erkannt und den geschossenen Torpedos wurde ausgewichen Die Zerstörer "Versatile", "Venessa" und "Holderness" beschossen die Boote und diese mussten ohne Erfolg wieder einlaufen.

Eine Operation der 1. und 2. SFltl in der hellen Mondnacht zum 18.03.1941 verlief ähnlich. Fluzeuge des Gegners erschwerten das Herankommen an einen Konvoi. Weil "S 102" (Oblt.z.S. Töniges) voreilig angriff, dabei zwar den früheren französichen Frachter "Daphne II" (1970 BRT) südwestlich von Cromer traf aber die gegnerische Abwehr alarmierte, schlug der geplante koordinierte Angriff der 1. SFltl fehl.

Auch in den folgenden Nächten verhinderte schlechtes Wetter, heller Mondschein oder schlechte Sicht jeglichen Erfolg. Die Boote wurden mehrfach von Zerstörern beschossen oder aus der Luft angegriffen, ohne aber Verluste hinnehmen zu müssen. Ende März glaubte Kptlt. Kemnade, dass der Gegner über Radargeräte verfügte und die Boote daher keine Erfolge mehr hätten.

Die erste Aprilhälfte brachte viel Nebel und den Booten eine Ruhepause. Minenunternehmungen der 1. und der 3. Sfltl mussten wegen schlechten Wetters abgebrochen werden. Am 18.04.1941 warf die 1. SFltl. mit "S 26", "S 27", "S 28", "S 29", "S 39", "S 40", "S 101" und "S 102" vor Cromer eine Minensperre und bezog anschließend Lauerstellung ohne auf Gegner zu treffen. 

Die 2. SFltl warf mit fünf Booten eine Minensperre bei Cross Sand Feuerschiff und stieß auf einen Konvoi, aus dem sie glaubte vier Frachter mit 13.000 BRT  versenkt und einen weiteren Frachter getroffen zu haben. Versenkt wurden der britische Frachter "Efra" (1446 BRT) und der holländische Frachter "Nereus" (1298 BRT). Auf dem Frachter "Eskburn" starben durch Beschuss zwei Seeleute, der Frachter "Ethel Radcliffe" (5673 BRT) musste auf Grund gesetzt werden. Die Flottille meldete die Versenkung von vier Frachtern mit 13.000 BRT und die Torpedierung eines fünten. Die Flottille wurde durch den Zerstörer "Wallace" gejagt und musste Flugzeugangriffe überstehen. Schäden an den Booten entstanden nicht.

 Die 3. SFltl warf mit sechs Booten eine Sperre bei Haisborough Sand und operierte vergeblich auf einen Konvoi. In einem Gefecht mit drei britischen MGBs musste "S 58" Treffer im Motorenraum  und im Vorschiff hinnehmen, dabei wurde ein Fahrmaat verletzt.

Anmerkung: In britischen Büchern wird mehrfach erwähnt, dass man nicht verstehen konnte, dass die deutschen Schnellboote Gefechten mit feindlichen Zerstörern, MGBs und MTBs meist auswichen. Dies erfolgte aufgrund einer Weisung des F.d.T. bzw. des F.d.S., die der Versenkung von Handelschiffsraum Priorität einräumte und daher gebot, eine Gefährdung der eigenen Boote durch Gefechte mit feindlichen Kriegsfahrzeugen zu vermeiden.

Danach mussten die Boote wegen schlechten Wetters im Hafen bleiben. Erst am 28.04.1941 konnten die 1. und die 2. SFltl wieder eine Sperre bei Cromer und Cross Sands werfen. Anschließend griff sie einen Konvoi aus 57 Schiffen an. "S 26" und "S 29" glaubten drei Schiffe mit zusammen 9.500 BRT versenkt zu haben, gesunken ist der britische Frachtdampfer "Ambrose Fleming" (1555 BRT). Am 29.04.1941 kollidierten "S 39" und "S 40". Die Boote wurden von Zerstörern unter Feuer genommen und gerieten in ein Gefecht mit britischen MGBs. Die 3. SFltl warf mit vier Booten eine Sperre bei  Hammond Knoll. Auf dem Rückmarsch geriet die Rotte "S 61" und "S 58" in ein Gefecht mit den britischen "MGB 61" und "MGB 59".

Auch der Mai 1941 brachte viele Stürme. Die Boote wurden im Hafen festgehalten. Bei dem Versuch einen Mineneinsatz am 18.05.1941 an der englischen Küste zu fahren, rissen sich bei schlechtem Wetter die Minen los und richteten Schäden an den Booten an. 

Am 23.05.1941 verlegte die 1. SFltl, am 25.05.1941 die 2. SFltl und am 27.05.1941 die 3. SFltl in Vorbereitung auf das Unternehmen "Barbarossa" nach Kiel, wo die letzten Boote am 28.05.1941 festmachten.

Unternehmen Barbarossa

Nach Abzug der 1., 2. und 3. SFltl verblieb nur die 4. SFltl im Westraum. Am 01.06.1941 war sie wie folgt besetzt:

4. SFltl Kptlt. Bätge
S 19 Oblt.z.S. Müller, K.
S 20 Oblt.z.S. Meyer
S 22 Lt.z.S. Karcher
S 24 Oblt.z.S. Frhr. von Mirbach
S 25 Oblt.z.S. Wilcke

Damit war eine Schnellbootkriegführung auf der Ebene wie bisher nicht möglich. Am 02.06.1941 ging die Flottille in See, um auf einen von der Luftwaffe gemeldeten Flugzeugträger zu operieren. Sie stieß auf ein "großes Schiff" geleitet durch einen Zerstörer und mehrere Minensucher. "S 22" feuerte zwei, "S 24" einen Torpedo. Alle drei trafen. Sie wurden durch die Sloop "Kittiwake" unter Feuer genommen. Es handelte sich um den "Tender C" ein zum Schein-Flugzeugträger umgebautes Handelsschiff von 7924 BRT). Das Schiff musste aufgegeben werden. 

Am 06. und 10.06.1941 warfen die Boote Minen, auf denen am 21.06.1941 die britischen Frachter "Gasfire" (3001 BRT) und "Kenneth Hawksfield" (1546 BRT) sanken. Wegen schlechten Wetters war der nächste Einsatz erst in der Nacht 16./17.06.1941 mit den Booten "S 20", "S 24" und "S 25" möglich. Sie warfen bei Tonne 57 Minen auf denen am 23.06.1941 der britischen Frachtdampfer "Hull Trader" (717 BRT) sank. Auf dem Rückweg stellten sie zwei holländische Fliegeroffiziere, die sich mit einem Paddelboot nach England absetzen wollten.

Schlechtes Wetter ließ den nächsten Einsatz erst am 19.06.1941 zu. "S 22" und "S 20" warfen auf dem Geleitweg Minen und wurden auf dem Rückweg in ein Gefecht mit drei MGBs verwickelt.

Am 24.06.1941 verlegte die 4. SFltl nach Cherbourg. Die Einsätze vom 25. und 28.06.1941 blieben ergebnislos.

 

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