Förderverein Museums-Schnellboot e.V.

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S-Boote in der Norwegischen Marine 1945 - 2010 (Sjøforsvaret)

Nach Ende des 2. Weltkrieges kehrten die Angehörigen der Norwegischen Marine, die sich bei der deutschen Besetzung des Landes nach England abgesetzt und in der Royal Navy gedient hatten, in ihr Heimatland zurück. 

Die zusammengewürfelte norwegische Flotte bestand aus 52 Schiffen und Booten, darunter die ehemaligen Einheiten der Coastal Forces:

12 Schnellboote des Typs Fairmile D – 120 ts, 4 x 1260 PS Packard-Otto-Motoren, 30 kn, 1 x 40 mm, 1 x 20 mm, 2 ToRos 53,3 cm, 24 Mann, 35,05 m, 6,25 m, 1,72 m -: "MTB 704". "MTB 709", "MTB 711", "MTB 713", "MTB 715", "MTB 716", "MTB 717", "MTB 719", "MTB 720", "MTB 721", "MTB 722", "MTB 723".

3 Motorlaunches des Typs Fairmile B: "ML 125", "ML 213" und "ML 573".

Das Verteidigungsministerium erstellte einen Dreijahresplan für die Jahre 1946 - 1949. Darin war eine Konsolidierung der Königlich Norwegischen Marine und Rückgabe der Leih- und Pachtfahrzeuge vorgesehen.

Von den englischen Fairmile D-Booten wurden 10 Boote durch Norwegen erworben. "MTB 715" wurde am 19.05.45 durch ein Feuer  mit einer nachfolgenden Explosion zerstört.  Die Boote erhielten die Namen "Falk", "Hauk", "Jo", "Kjeld", "Lom", "Om", "Ravn", "Skarv", "Stegg", "Teist". Das Boot "Hauk" wurde im November 1948 durch ein Feuer zerstört. Die übrigen Boote blieben als "Falk"-Klasse bis 1956 im Dienst.

Fairmile D-Boot, hier "MTB 724" - Bild aus Konstam: British Motor Gun Boat 1939 - 45

 

Am Tage der Kapitulation Deutschlands lagen "S 10", "S 11", "S 13", "S 15" und "S 16" von der 51. Vorpostenflottille in Åstveitvågen. In Egersund lagen die 1. Schnellboot-Schulflottille mit "S 62", "S 79", S 86", "S 89" und "S 133 zusammen mit dem Begleitschiff "Adolf Lüderitz" und die 8. SFltl mit "S 195", "S 302", "S 303" und "S 709". Die Boote "S 195", "S 302" und "S 303" lagen im Sommer 1946 in Bergen. Sie waren den USA als Kriegsbeute zugesprochen worden und trugen die Bezeichnungen "E 1", "E 2" und "E 3".

Aus der Kriegsbeute der USA kaufte Norwegen 14 Boote und aus der englischen Kriegsbeute das Boot "S 196", das aber nur als Ersatzteillager genutzt wurde. 

"Taarnfalken" - P 563 nach Übernahme durch Søværnet - Foto: Søværnet

 

Von den 15 von den Alliierten erworbenen Booten wurden 10 modernisiert und bis 1951 wie folgt genutzt:

Dt. Nr.

Name/Nutzung

DK-Name/Abbr.

S 10

ET-Lager

1950

S 21

ET-Lager

1950

S 27

ET-Lager

1950

S 48

ET-Lager

1950

S 64

Lyn

Stormfuglen

S 76

Tarva

Zielfahrzeug

S 85

Storm

Tranen

S 98

Kvikk

1945/46 gestrandet und abgebrochen

S 117

Tross

Hejren

S 174

Rap

1950

S 195 (E 1)

Kjekk

Lommen

S 196

ET-Lager

1951 an Dänemark

S 210

Snar

1945/46 gestrandet und abgebrochen

S 302 (E 2)

Blink

Falken

S 303 (E 3)

Brann

Taarnfalken

 

Die Boote "Kvikk" und "Snar" erlitten, nachdem sie sich im Winter 1948/49 in Horten im Sturm losgerissen hatten, bei der Strandung auf Østøya so starke Schäden, dass sie abgebrochen wurden. Sie wurden 1950 aus der Liste der Königlich Norwegischen Marine gestrichen.

Die Boote "S 10" bis "S 48" bis dahin Ersatzteillager und "Rap" (ex "S 174") wurden 1950 abgebrochen, das Boot "Tarva" (ex "S 76") wurde ausgeschlachtet und bis in die 70er Jahre als Zielfahrzeug genutzt. Die anderen sechs bis dahin in norwegischen Diensten fahrenden Boote und das Ersatzteillager (ex "S 196") wurden 1951 an Dänemark verkauft.

 

 

Als Ersatz für die ehemals deutschen Schnellboote wurden im gleichen Jahr 10 Schnellboote des Typs „Elco-80“ der US Marine beschafft.  Die Boote wurden über eine Finanzierungshilfe der USA (Military Defence Assistance and Advisory Program = MDAP) erworben und erhielten die Bezeichnung Hai-Klasse. Es handelte sich bei den 1945 gebauten Booten wiederum um Einheiten mit Ottomotorenantrieb. Von ihnen wurden sechs Boote in den Jahren 1960 bis 1964, die vier letzten erst 1966 außer Dienst gestellt.

Elco 80'-Boot, hier "PT 109" im Pazifik - Bild aus Rottman: US Patrol Torpedo Boats

1952 bot ein privater Unternehmer, die Westermoen-Bootswerft in Mandal, der Marine ein auf eigene Kosten gebautes Boot zur Erprobung an. Nach einer einjährigen Erprobung des „Rapp“ getauften Bootes wurden tatsächlich fünf weitere Boote in Auftrag gegeben und in den Jahren 1955-56 in Dienst gestellt.

1958 bot die Mandaler Bootswerft der norwegischen Marine erneut das als „Spekulationsbau“ konstruierte Boot „Nasty“ an, das nach eingehenden Erprobungen von der Marine akzeptiert wurde. Ein entscheidender Fortschritt dieses Bootstyps war der Übergang vom Otto- zum sichereren Dieselmotor. Der aus der Erprobung entwickelte Bootstyp „Tjeld“ sollte mit mehr als 40 Booten der erfolgreichste in Friedenszeiten gebaute Serientyp werden. Die norwegische Marine erhielt 20 Boote in zwei Losen, zwei Boote gingen zu einer Vergleichserprobung an Deutschland ("Hugin" und "Munin"), sechs weitere später an Griechenland und 14 Boote an die USA, die diese Boote auch im Vietnamkrieg in Küstengewässern einsetzte.

Die 22. TKB in Nordnorwegen - vorn das "Tjeld"-Klasse Boot P 348 "Hval" - Foto: Kalle Scheuch

 

Technische Daten Tjeld-Klasse

 

Anfang der 1960er Jahre wurde die "Storm"-Klasse als Ergänzung zu den 22 Motortorpedobåter (Deutsch: Motortorpedoboote) der "Tjeld"-Klasse als so genannte Motorkanonbåter (Deutsch: Kanonenschnellboote) geplant. Die Boote der "Tjeld"-Klasse und die 24 Boote der "Storm"-Klasse sollten kleine Einsatzverbände bilden, wobei den "Tjeld"-Boote drahtgelenkte Torpedos als Hauptwaffe dienten, während die "Storm"-Boote eine verhältnismäßig schwere Geschützbewaffnung erhalten sollten. 

Das Typschiff, KNM "Storm", hatte am 8. Februar 1962 Stapellauf und am 31. Mai 1963 war das Boot vollendet. Daraufhin begannen umfassende Erprobungen.1965 liefen mit geringfügigen Änderungen die ersten Serienboote zu. Aus Kostengründen wurden statt der geplanten 24 nur 20 Einheiten beschafft, die bis Ende 1967 in Dienst gestellt wurden. Als eine der letzten Einheiten folgte die P 960 KNM "Storm", da das Erprobungsboot dieses Namens wegen der starken Abnutzung verschrottet und durch ein Serienboot gleichen Namens ersetzt werden musste.

Mit 6 "Rapp"-, 20 "Tjeld"- und 20 "Storm"-Klasse Booten verfügte die norwegische Marine über die zahlenmäßig größte Schnellbootwaffe der NATO.

Boot der "Storm"-Klasse mit einem Penguin-Startbehälter auf dem Achterschiff in Nordnorwegen - Foto: Kalle Scheuch

Anfang der 1970er Jahre wurden alle Boote der Klasse modernisiert. Sie wurden mit  dem Seeziel-Flugkörper »Penguin«, von dem bis zu sechs Stück an Bord mitgeführt werden konnten, ausgerüstet. Damit stand die norwegische Schnellboot-Flottille mit ihren 46 Einheiten auch waffentechnisch an der Spitze der westlichen Marinen.

Die Boote der drei Klassen wurden in gemischten Verbänden zusammengefasst, welche die Bezeichnung TKB Skvadronen erhielten (Torpedo- und Kanonenboot Geschwader), Führer eines  solchen Geschwaders war ein Kommandant eines "Storm"-Klasse Bootes.

Technische Daten Storm-Klasse

 

Eine gemische FK- und Torpdobewaffnung auf einem Schnellboot wurde erstmals mit der "Snøgg"-Klasse eingeführt, die 1970/71 gebaut wurde, um die waffentechnisch veralteten "Rapp"-Klasse Boote abzulösen. Die "Snøgg"-Boote übernahmen auch deren Namen. Rumpf und Antrieb der neuen Klasse entsprach der "Storm"-Klasse. Die höheren Aufbauten und das Fehlen das Radoms sowie des 76 mm-Geschützturms waren die äußerlich auffallensten Unterscheidungsmerkmale. Die Boote verfügten über ein Führungs- und Waffeneinsatzsystem einschließlich Link 11. In gemischten Schnellbootsgruppen stellten daher die modernen „Snögg“ von nun an die Führerboote.

P 981 "Rapp" der Snøgg-Klasse - Foto aus Fock: Schnellboote Bd. 3

Technische Daten Snøgg-Klasse

 

Die in die Jahre gekommenen Boote der "Tjeld"-Klasse wurden in den Jahren 1978 bis 1980 durch 14 Neubauten der "Hauk"-Klasse ersetzt. Die Namen der Boote der "Tjeld"-Klasse wurden übernommen. 

Boot der "Hauk"-Klasse - Foto: Norwegische Marine

Die Boote der "Hauk"-Klasse durchliefen Anfang des 21. Jahrhunderts mehreren Modernisierungen, was sie auch dazu befähigte im Jahr 2003 mit vier Booten der 21. MTB Skvadron an der NATO-Operation Active Endeavour in der Straße von Gibraltar teilzunehmen. 2006 bis 2007 fuhren vier Boote der 22. MTB Skvadron einen Einsatz bei UNIFIL vor der Küste des Libanon. 2004 erhielten die Boote Flugabwehrraketen vom Typ Mistral und drei schwere MGs, die Penguin SSM wurden aufgewertet und Navigationsanlage sowie das Führungs- und Waffeneinsatzsytem wurden verbessert. Dennoch wurden sechs Boote bereits 2006 und im Jahr darauf vier Boote außer Dienst gestellt. Die letzten fünf Boote standen noch bis 2008 in Diensten der Flotte.

Die Boote verfügten über moderne Führungs- und Waffeneinsatzsysteme SENIT 2000.

 

Technische Daten Hauk-Klasse

 

Das Typboot der letzten Schnellbootklasse der Königlich Norwegischen Marine, der "Skjold"-Klasse wurde bereits 1999 fertiggestellt und in Norwegen sowie in den Vereinigten Staaten ausgiebig erprobt. Das Design des Bootes wurde auf hohe Geschwindigkeit und schwere Entdeckbarkeit ausgerichtet. Mit 60 kn Höchstgeschwindigkeit zählen sie zu den schnellsten Kriegsschiffen weltweit. Sie weisen auch eine hohe Seetüchtigkeit und gute Manövriereigenschaften auf. 

Boot der "Skjold"-Klasse - Foto: Norwegische Marine

Das Surface Effect Ship (SES) ist aus GfK gefertigt. Zwischen den beiden Rümpfen wird mittels Gummischürzen ein Luftkissen erzeugt, das die 270 t Wasserverdrängung bei Verdrängungfahrt auf 50 bis 80 % reduziert. Der Tiefgang von 2,3 m geht dabei auf 0,9 m zurück. Das Luftkissen wird von zwei Dieselmotoren erzeugt. Der Antrieb des mit Stealth-Technik gebauten Bootes erfolgt mit Wasserstrahlantrieb in einem GOGAG-Verfahren mit zwei Gasturbinen für kleinere und zwei weiteren Gasturbinen für höhere Fahrtstufen und mit zwei Dieseln zum Manövrieren. Die Höchstfahrt beträgt 60 kn.

Die Boote verfügen über moderne Führungs- und Waffeneinsatzsysteme SENIT 2000 einschließlich Link 11.

Technische Daten Skjold-Klasse

 

2010 bis 2013 wurden fünf weitere Boote in Dienst gestellt und die Boote wurden als "Küstenkorvetten" umdesigniert. Nach Außerdienststellung der "Hauk"-Klasse und Umdesignierung dieser sechs letzten Schnellboote verfügt die Königlich Norwegische Marine über keine Schnellbootwaffe mehr.

 

 

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